Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 8 (1.1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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bet Feind merkwürdigerweise nicht gelöscht hat. Gelangweilt zähle ich die SeKmde» von einem Aufleuchten zum anderen. Dann fallen ganz weit rechts ein paar Kanonenschüsse. Eins. . . zwei. . - drei. . . eine feindliche Batterie offenbar. Der Strahl eines Scheinwerfers tastet über das Land, und nun — als wäre das vorhin nur ein Auftakt gewesen — donnert und saust und kracht es herüber und hinüber wohl 20 Minuten lang; ein eiserner Gruß von Freund zu Feind. Bald nahe, bald ferne platzen die Granaten«. Allmählich wird es wieder still und langweilig wie zuvor. Langsam gehe ich vom Wohnhaus zum Schuppen, vom Schuppen zum Wohnhaus. Es sind und bleiben. fünfzig Schritte. Da.— irgend etwas tappt durch das waffer. Ganz offenbar Schritte, diesich nähern. Sollte — Kameraden gehen doch auf der Lhauffee? — sollte einefeindliche Schleichpatrouille den Weg verloren haben? Langsam lege ich den. Sicherungsflügel des Karabiners herum. „fjaltl wer da?" keine Antwort; die- Schritte nähern sich, die Flinte fliegt an die Backe. „Saltl" Der Anruf bleibt m der Kehle stecken: Lin gewaltiges Schwein badet, badet offenbar auf den über» schwemmten Wiesen. Deutlich sehe ich die weiße, fette, walzenförmige Maffe dicht vor mir im Mondlicht.... Die zwei Stunden sind vorbei. Irgend ein verschlafener Kerl tritt an meine- Stelle. Fröstelnd krieche ich in mein Loch zurück, taste mich über langhingestreckte- Leiber zu meinem Platz, verflucht, ist der besetzt? Irgend jemand liegt auf meirrev Decke. Zur Seite damit, wer es auch sein mag. Als ich endlich liege, merke ich" erst, daß es zwei weiche, mollige, anscheinend unbekleidete Körper sind, die sich rechts- und links an mich schmiegen, was machts? es ist doch wenigstens warm. Gegen halb acht wird es hell. Langsam stecke ich den Kopf aus der Decke. Ein entzückender Anblick! Ueberall zwischen den Kameraden, wohl auch zärtlich in. ihrem Arm, liegen kleine, zarte, rosige Ferkelchen, in der Mitte aber, allein undlanghingeftreckt, ein gewaltiges Mutterschwein. Es ist tot; der Boden ringsum, ist naß. Das nächtliche Bad war zu kalt gewesen. Mein Ruf weckt die Kameraden. Man lacht und flucht, je nach Temperament. Grunzend und quietschend fliehen die Ferkelchen; der Krieg duldet kerne Idylle. Karl Glaser, z. Zt. im Felde. Feldbrief« l. Rußland, 6. XII. W* ... Ich bin jetzt hier in Russisch-Polen, wo wir schwer zu ringen haben und langsam vorwärts kommen. Seit mehr als drei Wochen täglich Gefechte und^ keine Rnhe. Sonst hätte ich mich schon wieder in einem längeren Briefe geäußert. Es ist keine Redensart, wenn ich sage, ich habe mich an den Krieg schon gewohnt und empfinde kaum noch eine Unbequemlichkeit. Am meisten vermiffe ich den Verkehr mit Bundesbrüdern und jedes Lebenszeichen eines Bundesbrnders erfreut mich. Bei dieser Gelegenheit will ich Euch auch etwas über den Erwerb meines Eisernen Kreuzes mitteilen. wenn auch die Verleihung der Auszeichnung nichtimmer nur für besondere Tapferkeit erfolgt, so kann ich mich doch rühmen, mir das Kreuz redlich verdient zu haben, auf nicht alltägliche weife. Ich habe in den Kämpfen vor Sch. mit zwei Berittenen meines Trupps eine Straße aufgeklärt und" io