Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 7 (12.1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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fein. Für bie Mädels wurden Stricknachmittage eingerichtet, die sehr gut besucht |m-. Allmählich aber hielten wir es doch nicht mehr in der Stadt aus, und wir probierten erst zu zweien und dreien auf eigne Faust das Mandern. Im September gabs bereits Rasten im Freien, an die sich kurze Fahrten anschloffen In der Sukkah bei Kobers wurde Laubhütten gefeiert, und unser Führer L a l v a r y - Lroffen erzählte uns von seiner Reise in Palästina. Es war ein schöner Abend in rein jüdischer Stimmung! wir wanderlen nun regelmäßig, allerdings infolge Führermangels Mädels und Jungens gemeinsam; unsere Rasten und SingnachmitLage wurden wieder ausgenommen. Diesen Monat wandern wir wieder gettennt. Mir haben jetzt drei Führer und drei Silfsführer. Sogar Führerrat wird abgehalten, denn unser Oberführer kommt fast jeden Sonntag Nachmittag nach Breslau. Die Beteiligung und die Stimmung ist gut, wir haben Probewandrer und neue Führer. Mir Mädels sind alle genügend bei den verschiedenen Gruppen der sozialen Arbeit beschäftigt, von den Wanderern nehmen die älteren an den von den höheren Schulen eingerichteten Uebungen zur militärischen Vorbereitung der Jugend teil. Lin Führer. Ernst Doctor, wird als Krankenpfleger ausgebildet. Unser lhilss- * fuhrer preuß wird als Unterarzt beschäftigt. Ins Heer eingetreten sind Marcus, Ljirschderg, Danziger, Deutschmann, Breitbart, Freund, Meyer, powitz er, Sternberg und die Wanderer Ludwig N e um ann ' und Georg Lj e r r m a n n. Alle Wanderer und Wandrerinnen sind sich bewußt, daß von dem Zusammenhalten in dieser schweren Zeit alles abhängt. veraLondon LSI«. Der „Jüdische Wanderbund Blau-Weiß" in Löln wurde am l. März 1914 gegründet. Nachdem wir in der Stille einige Jungens für unsere Sache gewonnen hatten, unternahmen wir bald einen gemeinsamen Spaziergang zur Vorbereitung und begannen dann Mitte April unsere regelmäßigen Wanderungen. Aber schon jener erste Spaziergang hatte das Iniereffe der Herren vom »Jüdischen Jugendverein" erweckt, das uns seitdem stets zugewandt blieb. Mit allen erdenklichen Mitteln suchte man unsere Tätigkeit zu hintertreiben. Man widmete uns lange Zeitungsartikel in der jüdischen preffe, in denen man vor uns warnte, obgleich wir des öfteren unsere Unparteilichkeit betonten. Ein Hauptaraument war u. a., daß wir auch jüdische Lieder singen wollten — man denke auch! In jeder weise wurde versucht, uns unsere Wanderer abtrünnig zu machen^ r Als eine Gruppe einmal am Bahnhofe den Führer erwartete, erschien ein Senk,/, uud forderte sie in der liebenswürdigsten weise auf, sich doch seiner wandere/ gruppe anzuschließen. Zwei andere Herren, von denen der eine die Wanderabteilung des Jugendvereins leitete, während der andere wenige Tage zuvor einige nuferer Wanderer vergebens zum Uebertrirt zu gewinnen versucht hatte, ersuchten um Aus-; «ahme in den „Blau-Weiß". Leider haben wir ihrem Wunsche nicht entsprechen; könnenl — Ungeachtet dieser Vorgänge entwickelte sich unser „Blau-Weiß" in erfteulicher weise. Insbesondere die Mädchengruppe erreichte in kurzer Zeit eine stattliche Zahl, wir wanderlen bereits in mehreren Gruppen. Nun dachten wir baran, uns auch nach innen zu kräftigen und den jüdischen Gehalt unserer Tätigkeit zu verliefen. Da kam der Krieg, gerade zu Beginn unserer großen Feriem Unsere Mädels verwandelten die Wanderungen in Erntefahrten, für unsere Jungens veranstalteten wir Kriegsspiele und ließen sie gleichzeitig in der Jungend wehr an Schanzarbeiten. Ordonnanzdiensten usw. teilnehmen. Bald gesellten sich zahlreiche Neue zu uns, die aber zunächst Ln keine rechte Verbindung mit drm „Blau-Weiß^ 21 '