Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 7 (12.1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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o schnell folgen, sofort zu verarbeiten. Deshalb führe ich auch kein Tagebuch; es. oürde ein läppisches und schwatzhaftes Geographieverzeichnis werden. wir liegen hier seit Tagen in heftigen Kämpfen mit einer zweifellostapferen englischen Armee, die teils aus Resten der Besatzung von An^werpen^ teils aus frisch gelandeten Truppen besteht. Ununterbrochen Lobt der Artilleriekampf, in den sich zeitweise das Knattern der Karabiner und das taktmäßize Ticken der Maschinengewehre mischt, von Zeit zu Zeit wird — eine besondere jreude für uns — ein feindlicher Flieger für uns sichtbar, der die liebenswürdige Absicht hat, Bomben zu werfen. Dessen ungeachtet befinden wir uns sehr wohl, liegen in ganz komfortablen Lrdlöchern, esien (wenn man was kriegt), trinken (wenn's was gibt) mit größter Ruhe, und sind je nach dem Zustand unseres Magens guter oder schlechter Laune. Ich z. B. bin im Laufe der Zeit ein arger Materialist geworden, der die Schönheit einer Gegend nur nach der Möglichkeit beurteilt, aus den dortigen Dörfern und. Städten noch etwas Eßbares zu requirieren. Augenblicklich krachen gerade über uns die Schrapnells, und drüben bei den. Wägern gibt's verwundete. Ich krieche alsovollendsinmeineSohle und schreibe bei Licht (so leben wir!) weiter. Wir find alle hier der besten Zuversicht, daß der Widerstand der Feinde bald erlahmen wird und wir demgemäß Berlin bald wieder» sehen werden — wenn wir's erleben. Trotz dieser guten Aussicht bin ich für jeden Gruß von Freunden unendlich dankbar und würde mich sehr sehr freuen, von Ihnen etwas zu hören. Zum Schluß einige Fragen: was macht das Büro? Was der Wanderbund? Was unser Landheim? Erscheinen die Blau - Weiß - Blätter regelmäßig?' Existiert das K. I. v. noch, wie geht es der Sasmonaea? Grüßen Sie von mir alle Freunde und Bekannten .... And nun noch eine kleine Episode, die Ihnen vielleicht nicht so rührend er» scheinen wird, wie mir. Gestern morgen tobte ein Artilleriekampf, daß man glauben konnte, die Welt ginge unter. Der Boden zitterte, und der Simmel stand in. Flammen, wie bei einem großen Gewitter. Unbekümmert darum aber stieg eine kleine Lerche zum Himmel enrxor, höher und höher, und schmetterte ihr Lied, als gäbe es keine Granaten, keine Menschen, die einander töten — als wäre alles Frieden und eitel Freude. Wirklich, man braucht uns nicht zu bedauern, der Krieg, hat auch viel Schönes. — II. Simon w e r t h e i m, Hamburg Rußland, den 4. U- Besten Dank für Deine Postkarte; heute habe ich Dir allerhand Neues zu erzählen. Zuerst einmal nehme ich Deine Gratulation zn meiner Beförderung zum Gffizierstellvertreter entgegen; vorerst allerdings ist das ein Titel ohne Mittel. da ich noch überzählig bin und daher noch Feldwebel-Löhnung beziehe. Sonst aber trägt mir die Beförderung nranche Annehmlichkeit ein. Das Schönste an der Geschichte ist, daß mir selbständigere Ausgaben übertragen werden. — Augenblicklich habe ich . eine Feldwache hart an der Grenze inne; es unterstehen mir 64 Mann und 4 Unteroffiziere. An meinem Fettster führt eine jener schlecht gebauten und schlecht unterhaltenen Straßen vorbei, auf der täglich eine große Anzahl von Fuhrwerken, hauptsächlich mit Getreide beladen, der nahen Grenze zurollt. Die Gestalten IV