Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 7 (12.1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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£tn Brief an -ie SdbrijtUitmxQ Lieber Redakteur! Du wolltest den Artikel von Engländer nicht in die Blau-Weiß- Blätter setzen? Du hast in manchem Linne recht. Wer die Fahrt nicht mitgemacht hat, wird stutzen. Der Ltil. So merkwürdig abgerissen. 0 So scheinbar tief und doch garnicht erschöpfend. So ganz subjektiv nnb für den Fernen, den Teilnahmslosen, unverständlich, vielleicht uninteressant. Dder gar als Geste erscheinend. Liehst Du, als ich die skizzenhaften Lätze über unsere Fahrt las, dachte ich auch: Nein, nichts für unsre Rinder, und ich wußte, daß ich über diese Führerfahrt nichts geschrieben habe, weil wir keine Führerzeitung haben. .Aber nein. Vielleicht hätte ich auch dann nichts von ihr geschrieben. Lie war zu schon, zu zart, zu eigen, als daß ich von ihren duftigen Reizen hatte sprechen, von ihren Wonnen zu andern reden können. Von den höchsten und innigsten Erlebnissen darf man nicht sprechen. Tut man’s — womöglich noch oft — so fällt der Tau von der zarten Blüte jener sonnigen Ltunden. Ich Habs nach meiner größten Wanderung — der palästinafahrt— am eigenen Leibe verspürt. Nach jedem Vorträge über sie hatte ich eine Art Herzbeklemmung. Immer hatte ich gesucht, ein neues Erlebnis preiszugeben, und jedes wurde mir — kaum in Worte gefaßt — banal und gewöhnlich. Es hörte auf, mein eigenstes zu sein. Ich sah nur noch die äußere Erscheinung. Das Lebendigste wurde mir Lchablone. Es erschien nur immer seltener, so wie ich es wahrhaft erlebt hatte, immer mehr sah ich es in der Form der Worte, mit denen ich es geschildert hatte. Bis ich die Vorträge samt den Lichtbildern fast verwünschte, denn meine schöne Fahrt war nicht mehr meine Fahrt allein, nicht mehr der Traum, die Erfüllung meiner Wünsche. Und nun füllt eine unendliche Lehnsucht meine Leeke, das Land der Väter wiederzusehen, allein, ohne jemand davon zu sagen. Jetzt will ich so gerne die Lonne Palästinas brennen fühlen, den Klang der hebräischen Lprache anfsaugen, die rauschenden Lieder fingen, die Horah tanzen, mit den freiheitsdürstenden jungen Menschen dort, den jüdischen Bauern, den jüdischen Pflanzern, Züchtern sprechen, mir zeigen lassen, wie sie die beste Frucht, die einträglichste Pflanze suchen, wie sie sich ihre Freiheit erringen, ihr eigenes Heim sich zimmern. Aber ja: der Krieg! Was wird er nicht vernichten. Jaffa sollen die Engländer schon bombardiert haben. Lteht unser hebräisches Gymnasium noch? Und die Makkabim, die jüdischen Turner, die