Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 6 (10.1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Vlarr-weißer Besuch in Hamburg Es waren nur drei Tage, drei schöne Tage, die wir mit unseren Berliner und Leipziger Bundesbrüdern verbracht haben, afcer diese drei Tage haben unsere steifen, ein wenig hausbackenen „hanseaten"seelen in lebhafte, blau-weiß schillernde Schwingungen versetzt. Die Berliner Horde, fünf Wann an Zahl, wollte nach Holland wallfahren, und uns oblag fürs erste die mit viel Ehren, aber auch mit zahlreichen Gängen verbundene Aufgabe, den hierfür erforderlichen Frachtdampfer aus dem Wasser zu stampfen. Endlich gelang es, einen leibhaftigen Ostindienfahrer zu kapern, auf dein unsere Freunde, umgeben von eineni Troß holländischer Aannitverstans und malaiischer Stewards, nach Amsterdam gondelten. -UietSchönes halten uns die Berliner zu erzählen, von der trefflichen Organisation ihrer Wandergruppen, von ihrem Landheim und immer wieder von ihrem schönen Landheim, von dem 5chalom der Drewitzer Dorfjugend (et heeßt nich mehr heil, et heeßt Schalom) und von manch anderen lustigen und auch ernsten Dingen, und nach einer Stunde waren wir alle gut freund miteinander. Zum ersten Male wohl waren wir Hamburger in einem größeren Areise von Blau-/ Weißen zusammen, und jeder, auch der jüngste unter uns, wird, als wir unsere jüdischen Freiheitslieder sangen, empfunden haben, eine wie feste Gemeinschaft unser Bund bereits heute bildet und wieviel wahrhafte Freudigkeit uns das jüdische Wandern bereitet. Am ersten Tage führten wir unsere Gäste durch Hamburg und zeigten ihnen hagenbecks Affenfelsen. die Nubier, Jan hinnerk auf der Lammerstraat und unsere Denkmäler, am zweiten Tag faulenzten wir und veranstalteten einen heim„abend", der einen halben Tag dauerte und ans dein Schiff seinen Abschluß faiid. Wir freuten uns, wie viel prächtige neue Lieder sie kannten und wie fein sie die Alampfe zupften (ihre Alampfenfpieler find kleine Genies — wenigstens auf der Laute). Zum Schluß brachten wir unsere Gäste aufs Schiff »ild beschloffen die zwei schönen Tage mit: „Ade zur guten Nacht". Wir hatten uns kaum von dem Berliner Besuch „erholt" und ausgeschlafen, als wir am nächsten Nlorgen erfuhren, daß dis Leipziger Blau-weißen bereits seit drei Tagen in Hamburg lustwandelten, ohne die Adresse auch nur eines von uns zu kennen. Durch einen Zufall hatte sie unser Antwortbrief nicht mehr erreicht, und'sie irrten wehklagend auf U