Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 6 (10.1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Regens umfängt uns hier ein kalter Nebel, der in kleinen Tropfen auf unseren Capes liegen bliebt. Jetzt kann man nichts mehr sehen, nur noch das 'Mädel, das unmittelbar vor einem geht, und die mächtigen Steinblöcke zur Rechten; zur Linken ein Nebelmeer — dort geht es steil abwärts. Um uns herum wütet der Sturm. — wir halten uns ganz rechts, um nicht heruntergeweht zu werden, und stammen uns gegen den wind und ducken uns unfc kämpfen und ringen mit ihm. Manchmal treibt er uns doch ein oder zwei Schritte nach links; aber man fetzt den Bergstock kräftig auf und ist wieder auf der anderen Seite. Aber es ist eine kurzweilige Wanderung — und schön; nid>ts um sich her zu sehen als Nebel, und gegen ein unsichtbares mächtiges Etwas anzukämxfen. Ich habe mir da oben gedacht, es wäre Rübezahl, und alle die schönen Rübezahl» »agen sind mir durch den Kopf gegangen. ... Da — ein kurzes Auslachen! Die Vorderste hat sich fast Sen Ropf an der Schneegrubenbaude gestoßen, wir gehen für ein paar Minuten hinein, wärmen uns und effen etwas. — Dann geht es vom Ramm hinunter. Den wind im Rücken sehen wir Nebelwolken an uns vorüber» jagen,, Ueber den weg laufen unzählige ganz kleine Bächlein hin. So geht es eine ganze Weile. Da hören wir plötzlich ein Läuten vor uns; im Nebel taucht sekundenlang eine Ruh auf und verschwindet wieder, dann noch eine und noch eine, wir befinden uns also vor einer Ruhherde, und als wir näher kommen, sehen mir sie auch und dahinter die Llbfallbaude. Dann geht es vorsichtig einen vom Regen aufgeweichten, zickzackigen weg hinab ins Tal der Sieben Gründe Als wir allmählich aus den Wolken herauskommen, empfängt uns statt des Nebels — Regen. Bei einer Biegung des Weges taucht vor uns ein mächtiger Felsen auf. Das dunkle, senkrecht abfallende Gestein ist wie von einer dünnen silbernen Schicht überzogen — bas ist der Regen, der in tausenden von kleinen Bachen hinab in den Llbfall fließt. Auf mich, die ich das erste Mal den mächtigen Wundern der Gebirgswelt gegenüberstand, machte all das Gewalttge einen tiefen Eindruck, den ich nicht in Worten wiederzugeben vermag, wir treten an den Elbfall heran sehen die junge Elbe, kurz nach ihrer Geburt, mit mächtigem Getöse über die Felsen stürzen. An ihren Ufern geht es weiter hinab. Gerade als sollten dem Menschen die Wunder der Natur in Gegensätzen gezeigt werden, kommen wir jetzt in die herrlichste Vegetation hinein, wir sehen herrliche Tannen und Blattgewächse. Nun sind wir im Tal, die junge Elbe zu unserer Seite wird immer ruhiger undgesetzter und nimmt, als wir in die Nahe von Sxindelmühle kommen, schon einen flußartigen Charakter an. wir find naß bis auf die Baut; wenn wir in die Elbe neben uns gingen, konnten wir kaum nasser sein. Da lernten wir — in Spindelmühle — erst den Werl eines schönen molligen Zimmers kennen, mit Beizung, an der wir unsere Rleider trocknen — und Betten, in denen wir uns wärmen konnten. Aber mit Nebel, Sturm und Regen war das der schönste Tag unserer Wanderung, und den Eltern zur Beruhigung sei's gesagt: es hat sich niemand erkältet. Berlin Elsa Rosenblüt^ 10