Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 6 (10.1914)
- Date
- 1914-10-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Vas max also die Kriegslage, die unerwartet und unvorbereitet bekannt gegeben wurde. Mehrmals wurde sie abgefragt und erklärt, sodaß schließlich jeder im Bilde war. Da niemand die Gegend genau kannte, wurde noch ausgemacht daß nur solche Leute sich von ihren Abteilungen entfernen dürften, die im Besitz einer Karte waren, und schließlich vereinbarte man noch, daß sich alle zu einer bestimmten Stunde an einem festgelegten Punkt wieder treffen sollten, um Leute, die abgekommen waren, wieder heranzuziehen. Dann zogen wir weiter. Die kriegerische Stimmung machte sich in frischen Soldatenliedern Luft. — Fröhlich klang durch Feld und Wald und den sonnenhellen Tag: „Musketier sein's luit'ge Brüder" und „Morgen marschieren wir". — schließlich verkürzten uns „Drei Lilien, drei Lilien" den Marsch._ Bei einem Krug an der Landstraße wurde Halt gemacht. Der Abteilungsführer warf sich ins Gras, lag auf dem Bauch und zeichnete eine Skizze nach seiner Karte, die die Stellung der Feldwache 2 in einer waldecke an gab. Sie wurde dem betreffenden Feldwachhabenden mit dem Befehl ausgehändigt, an dem aus der Zeichnung erkenntlichen Platz seine Aufstellung zu nehmen und zur eigenen Sicherung einen Posten vorzuschieben, der wiederum eine Meldung machen und eine Skizze über seinen Standpunkt zur Feldwache zu schicken hatte. Trotz der Einfachheit und Klarheit der Lage war Gelegenheit zum selbständigen handeln vorhanden, ohne daß die ganze Spielidee zerrissen oder verwirrt worden wäre. Das Zurechtsinden im Gelände nach der Karte und das Skizzenzeichnen, über das wir auf unseren Heimabenden regelmäßig instruiert hatten, wurde zum ersten Male praktisch angewandt und das Interesse aller dafür geweckt, wir benutzten die beim Militär gebräuchlichen Meldekarten. Jeder legte noch ein Taschentuch um den linken Unterarm, dessen Verlust gleichbedeutend war mit Kamxfunfärngkeit, und dann schob Feldwache 2 ab; noch lange sahen wir die Leute auf der Landstraße dahinmarschieren, im eifrigen Gespräch Pläne und Vermutungen austauschend. Als sie außer Sicht waren, schlugen wir uns seitwärts in die Büsche unb folgten auf vielfach verschlungenen Pfaden durch Dickicht und Wald, über Gräben, Zäune und durch Knicks unserem Anführer, der die paffende Stellung ftrr seine Feldwache aussnchte. Nach einer Stunde hieß es an einer Wegegabelung: „Halt!" Lin paar Bäume boten Schatten und Deckung gegen Sicht; nun war es vor allem nötig, Verbindung mit der anderen Feldwache aufzunehmen und dafür zu sorgen, datz das Spiel im Fluß blieb. Folgende Meldung wurde abgeschickt: An F.w. 2. Bin vom Feind, kenntlich durch Hüte und Mützen, angegriffen worden. Sofort Posten einziehen und zu Hilfe kommen. Rucksäcke auf F.w. 2 lassen; ein Mann dort zur Bewachung. Skizze meiner Feldwache \ umseitig. . . . Abteilungsführer. Diese Meldung wurde laut vorgelesen und erklärt; ein gewandter Junge, dem man Zutrauen konnte, daß er nach dem ihm auf der Karte angegebenen Punktedie Feldwache 2 finden würde, wurde damit abgeschickt. „Der Eingriff des Feindes", erklärte -er Feldwachhabende. „ist nur eine Annahme", und nach einer weile: „Leute, bedeckt euer Haupt, denn der Feind hat uns niedergemacht; die Feldwache