Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 5 (8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Da kams wie ein Ruf aus den Wolken, ein wind stieß ängstlich ins Laub, Und über dem Flusse drüben aufwölkte finsterer Staub, Und aus dem Staube brachen die Massen der Völker herein, So gellt im Gebirge Sanoah der Adler Schrein. Da rauschten wie Sicheln die Schwerter, dumpf dröhnte der Morgenstern, Uns umklirrte die Pracht der Affyrerschlacht, und wir schrieen zum Herrn, Und Gott war nah, und die Stünde war da, und die Zeit erfüllt, Und Babylon brach zu Boden, trauerumhüllt. Nun hänge um deine Schultern, mein Volk, das Reisegewand, Und brich den Stecken der Zeder als Stab für deine Hand, Und die du geführt in der Knechtschaft, die Kelle, schlage entzwei. Und zerbrich den Meißel des Dienstes, denn du bist frei!! Und wer an seiner Sandale der Riemen einen erst band, Der wandre ohne den andern in seiner Väter Land, warte nicht auf Bruder und Vater, verflucht sei Ruh und Rast, was brauchst du Vater und Bruder, wenn du die Heimat hast? wir ziehn zu den Bergen der Jugend, der sinkenden Sonne nach, wie ward das Auge der Sehnsucht nach langem Schlafe so wach, wie brausen vertraut in der Hörner ehernen Jubelklang Die alten Jesaialieder und Davids Gesang! Und wenn die heilige Heimat leuchtet im Morgenlicht, von den ewigen höhen zu heah das blaue Glänzen bricht, Dann finken wir schauernd nieder äm schimmernden Jordanflrand Und küssen mit durstigen Lippen das Vaterland. Etwas vom Volkslied Wir haben das Volkslied zum Träger unserer Stimmung gemacht. Warum? Wir brauchten Lieder, die.Gesamtgefühle und Gesamtstimmungen ausdrückten. Der einzelne soll sich nicht in sich selbst verlieren— ein« Gefahr, an der ja die Romantik zum Teil Schisfbruch litt — nein, er soll mit und an den andern sein Lebensgefühl erhöhen. Aber ist nun das Volkslied ein wahrer Ausdruck modernen Seelenlebens? Lin geschichtlicher Rückblick wird uns der Lösung näher bringen. — Die überwiegende Wenge der deutschen Volkslieder stammt au» dem \5,—J6. Jahrhundert oder reicht doch mit seinen Motiven in jene Zeit, wenn nicht noch früher zurück. Das heißt aber ln eine Zeit, in der der Einzelne noch viel stärker tn die Allgemeinheit eingebettet war als heute, in der noch eine starke Einförmigkeit der Empfindens gleichen Schall, gleichen wiedechall wecken ließ. Die r