Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 4 (7.1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-Weiß-Blätter 15 brachte den neunten kurzen Arm, welcher nach vorne steht und der Diener heißt, Was haben die Geschlechter, die aufeinander folztM, in diese ursprünglich einfache und von der Natur genommene Kurffl gestalt hineingeheimnist? Und unser Mann, der ja ein Künstler wär, dachte bei sich, ob es denn nicht möglich wäre, die erstarrte Fovm der Menorah wieder zu beleben, ihre Wurzeln zu tranken, wie die eines Baumes. Auch der Klang des Namens, den er nun an jedem Abende vor seinen Kindern sprach, gesiel ihm wohl. Es war ein Klang darin, besonders lieblich, wenn das Wort aus dem Kindermunde kam. Die erste Kerze wurde ungebrannt und dazu die Herkunft des Festes erzählt. Die wundersame Begebenheit vom Lämpchen, das so unerwartet lange lebte, dazu die Geschichte der Heimkehr aus dem babylonischen Exil, der zweite Tempel, die Makkabäer. Unser Freund erzählte seinen Kindern, was er wußte. Es war nicht gerade viel, aber ihnen genügte es. Bei der zweiten Kerze erzählten sie es ihm wieder, und als sie es ihm. erzählten, erschien ihm alles, was sie doch von ihm hatten, ganz neu und schön. Bon da ab freute er sich jeden Tag auf den Abend, der immer lichter würde. Kerze um Kerze stand an der Menorah auf, und mit den Kindern träumte der Vater in die kleinen Lichter hinein. Es wurde schließlich mehr, als er ihnen sagen konnte und wollte, weil das noch über ihrem Verständnis war. Er hatte, als er sich entschloß, zum alten Stamme heimzukehren und sich zu dieser Heimkehr offen zu bekennen, nur gemeint, etwas Ehrliches und Vernünftiges zu tun. Daß er auf diesem Heimweg auch eine Befriedigung seiner Sehnsucht nach dem Schonen finden würde, das hatte er nicht geahnt. Und nichts Geringeres widerfuhr ihm. Die Menorah mit ihrem wachsenden Lichterschein war etwas gar Schönes, und man konnte sich dazu erhabene Dinge denken. So ging er her und entwarf mit seiner geübten Hand eine Zeichnung für die Menorah, die er seinen Kindern übers )ahr schenken wollte. Frei gestaltete er das Motiv der acht gleich hoch anslaufcnden Arme aus, die rechts und links in der Ebene des Stammdurchjchniltes liegen. Er hielt sich an die steife überlieferte Form nicht für gebunden, sondern schuf wieder aus Natürlichem heraus, unbekümmert um andere Deutungen, die ja darum auch ihr Recht behalten mochten. Er war auf lebensvolle Schönheit aus. Doch wenn er auch in die erstarrten Formen neue Bewegung brachte, hielt er sich dennoch an ihr Gesetz, an den vornehüt alten Stil ihrer Anordnung. Es war ein Baum mit schlankett Aesten, deren Enden wie Kelche sich erschlossen, und in diesen Blutenkelchen sollten die Lichter stecken. Unter so gedankenvoller Beschäftigung verstrich die Woche. Es laut der achte Tag, an dem die ganze Reihe brennt, auch der treue neunte, der Diener, der sonst nur zum Anzüriden der übrigen da ist. Eine große Helligkeit strömte von der Menorah aus. Die Augen der Kinder glänzlen. Unserem Manne aber wurde das Ganze zu einem Gleichnis