Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 4 (7.1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Blau-Weiß-Blätter könne bas ein Ausweg sein, was ja nur die Verschärfung und Vertiefung des Hebels bedeute. Er aber dachte, daß die sittliche Not so empfindlich wäre, weil den neuen Juden jenes Gegengewicht abbanden gekommen sei, das unsere starken Vater in ihrem Innern besaßen. IHan spöttelte hinter ihni drein, manche lachten ihm sogar unverhohlen ins Gesicht, doch ließ er sich durch dse albernen Bemerkungen von Leuten, deren Einsicht er früher nie hoch zn schätzen Gelegenheit gehabt, nicht irre machen und ertrug die bösen oder guten Scherze gelassen. Und da er sich im übrigen nicht unvernünftig gebärdete, so ließ man ihn allmählich sich seiner Schrulle hingeben, die freilich von einigen auch mit härterem Wort als eine fixe Idee bezeichnet wurde. Der Wann zog aber in seiner geduldigen Art eine Konsequenz nach der anderen aus seiner einmal gefaßten Meinung. Dabei gab es eine Anzahl von Uebergangen, die ihm selbst nicht leicht sielen, wenn er dies auch aus Trotz nichr sehen, ließ-,Als ein Mensch und Künstler von modernen Anschauungen war er doch mit vielerlei unjüdischen Gewohnheiten verwachsen und hatte aus den Kulturen der Völker, durch die ihn sein Bildungsgang geführt, Unvertilabares in sich aufgenonunen. Wie war dies mit seiner Rückkehr zum Judentum zu versöhnen? Daraus erwuchsen ihm selbst manche Zweifel an der Richtigkeit seines leitenden Gedankens, seiner idee maitresse, wie es der französische Denker nennt. Vielleicht war die unter dem Einstuß anderer Kulturen großgezogene Generation nicht mehr fähig zn jener Heimkehr, die er als die Losung gefunden hatte. Aber die nächste Generation würde schon dazu fähig sein, wenn man ihr noch beizeiten die Richtung gab. So bekümmerte er^ sich denn darum, daß wenigstens seine Kinder auf den rechten Weg kamen. Die wollte er von Haus aus zu Juden erziehen. Früher hatte er das Fest, welches die wunderbare Erscheinung der Makkabäer durch so viele Jahrhunderte mit dem Glanze kleiner Lichter bestrahlte, vorübergehen lassen, ohne es zu feiern. Nun aber benutzte er diesen Anlaß, uni feinen Kindern eine schöne Erinnerung für kommende Tage vorzubereiten. In diese jungen Seelen sollte früh die Anhänglichkeit an das alte Volkstum gepflanzt werden. Eine Menorah wurde angeschafft, und als er diesen nennarmigen Leuchter zum erstenmal in der Hand hielt, wurde ihm eigentümlich znmure. Auch in seinem Vaterhause hatten die Lichtlein in einer nun schon entlegenen Jugendzeit gebrannt, und es war etwas Trauliches und Anheimelndes darin. Die Tradition nahm sich nicht frostig, nicht erstorben aus. Das war so durch die Zeiten herübergegangen, immer Hn Lichtlein am andern entzündet Auch die altertümliche Form der Menorah regte rhu zunr Sirrnerr au. Wann war der prinmwe Bau dieses Lichthalters geschaffen worden? Die Gestalt war offenbar einst vom Baum genommen worden. In der Mitte der stärkere Stamm, rechts und links vier Zweige, einer unter dem andern, die in einer Ebene liegen, urrd alle acht sind gleich hoch. Eine spätere Symbolik