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Blau-Weiss-Blätter · 1914-07-01 · 4 (7.1914) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
4 (7.1914)
Date
1914-07-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Blati-Weiß-Bläiter lt wertig. Die Jugend ist aber trotzdem bisher nur ein Anhängsel der älteren Generation. Sie nimmt nicht teil am geistigen Leben der Menschheit, sie ist abgesperrt von der Oeffentlichkeit und eingesperrt in die Schulen, wo sie geflissentlich mit einer weit- und lebensfremden Arbeit beschäftigt wird. Die Jugend ist nun im Gegensatz zur Kindheit imstande, den Kampf um ihre Gleichberechtigung selbständig zu führen. Zu diesem Zwecke muß sie sich geistig vom „Alter" vollkommen isolieren, sich eine Jugendkultur aus eigenen Mitteln schaffen und alles, was Ueberlieferung heißt, ablehnen. Diese Wyneken'schen Ideen haben begeisterte Aufnahme bei der deutschen Jugend gefunden, die sofort den Kampf gegen, ihre „Unterdrückung* durch das Alter und die Schule aufnahm. Es wurde „Der Anfang, Zeitschrift der Jugend" ins Leben gerufen, der den Wyneken'schen Ideenkreis vertritt, und dessen, Mitarbeiter fast nur Schüler sind. Allerorten wurden Sprechsäle gegründet, wo die „neue Jugend" regelmäßig zusammenkommt, um über ihr Problem nachzugrübeln und zu diskutieren. Die Stellung, die wir „Blau-Weißen" dieser Bewegung gegenüber einzunehmen haben, ist meines Erachtens leicht zu finden. Mit Wynekens rein schulreformerischen Bestrebungen werden sich vielleicht viele einverstanden erklären. Die Jugendkulturbewegung aber müssen wir ganz energisch ablehnen. Nach unserer. jüdischen Auffassung ist die Jugendzeit nur ein Zustand der Vorbereitung, des Noch-nicht-gereift-seins,, eine Zeit, in der wir uns die Waffen für den späteren Lebenskampf schmieden sollen. Wenn wir auch ganz entschieden: für uns das Recht in Anspruch nehmen, selbständig zu denken und uns selbst die Lebensformen zu schaffen, die uns angemessen sind, so glauben wir doch nicht, daß wir dem Alter geistig gleichberechtigt sind, sondern wir sehen im Erwachsensein einen Zustand, zu dem wir uns empor entwickeln wollen, der unser Ziel ist! Als Wanderer müssen wir „Blau-Weiße" in unserer gesamten Lebensführung, und nicht nur auf den Fahrten eine echte Natürlichkeit anstreben. Deshalb wird uns der Teil der Jugend, der im „Anfang" hauptsächlich zu Wort kommt und in den Sprechsälen andauernd über „Jugend", „Jugendlichkeit", „Jugendkultur" usw. usw. debattiert, nie sympathisch werden können; denn er empfindet unnatürlich, und über allem vergißt er--jung zu sein! Damit soll aber keineswegs gesagt werden, daß uns, der Jugend, nicht ansteht, über ernste Dinge zu diskutieren; im Gegenteil, ich halte dies nur für erwünscht, nur muß es auf anderer Grundlage geschehen, als in den Sprechsälen. — Wir dürfen nicht an den Problemen, die das allgemeine Menschenleben und

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