Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 4 (7.1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Blau-Weiß-Biätter Von weiter Wanderung Ich will etwas vom Lande Palästina erzählen. — Es war an einem Abend in der Ebene Jesreel. Weit lag das Land vor uns, weich und wellig, mit Getreidefeldern auf den Hügeln. Hinter dem Jordan ragten violette Berge, vor uns lag der gerade Karmelos. Man sah alles, das Weiteste unerklärlich nah, die Luit vibrierte. Die jüdischen Arbeiter kamen vom Felde herein, voller Freude mi* uns, freudig, trotz der schweren Arbeit am Tage. Wir aber sahen die reichen Felder jüdischer Besitzer, sahen die jungen jüdischen Arbeiter, die stolzen geraden Mädchen. Da verstanden wir, daß wir Juden einst ein Herrenvolk waren, und alte Zeiten wurden vor uns lebendig. Vor uns lagen die Berge, von denen Deborah herabstieg und mit wildem Siegeslied den Feind schlug, von denen Jonathan mit kleiner Zahl den großen Gegner bestürmte. - Die Jahrhunderte schienen ausgestrichen; wieder reitet und stürmt jüdische Jugend durch dieses Land und kämpft für die Freiheit. Es ist ja das Land, in dem unsere Helden lebten. Ungeheures leisten unsere neuen Helden, unsere Schomrim j(WSfcfiter). Ich erinnere mich, wie ich mit einem Schomer spätabends über die Felder ging. Er zeigte mir die kleinen, tauben- ^iiausartigen Wachttürme, in denen er am Tage wohnen muß. Weit dehnte sich das öde Land, unbebaut seit vielen Jahrhunderten, nur hinter uns ragten, wie eine Oase, die Bäume und Häuser des Dorfes. Vor uns aber regte es sich in der Nacht, still und beängstigend. Und dieses Land muß der Schomer die ganze Nacht durchstreifen, stets auf der Hut zu stetem Kampf gefaßt. Die Berge, die am Tage dem Lande das stolze und ruhige Ansehen geben, waren jetzt verschwunden. Und während uns unwillkürlich Grauen in dieser gefahrdrohenden, klaren, heißen Nacht befiel, war unser Schomer heiter, voll Kraft; voll Stolz erzählte er von seinen Taten im Kampf mit räuberischen Arabern, dann sang er in die Nacht hinaus mit klarer Stimme die Lieder, die so rührend einfach sind: „Arn Jisroel chai.~ Ich verstand, mit welchen Gefühlen, mit welcher todesmutigen Energie diese Leute am Lande hängen, das sie erworben haben und das sie verteidigen. Das Land ist schön. Meer und Schnee. Felder und Oede% Höhe und Tiefe sieht der Blick im Wechsel weniger Stunden. Die jüdische Jugend liebt und durchwandert das Land, Arbeiter, Schomer. Gymnasiast und auch die Mädchen. Und besonders zür Chagigä (Fest) in Rechoboth. in den Peßachtagen, kommt von Galiläa bis Gaza die ganze Jugend zusammen, um in Wettspielen das Fest der Befreiung zu feiern. Alle haben schon allein an dem Wandern Freude und kennen das Land und seine Pflanzen, wissen, wie das Getreide steht, kommen durch die