Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 4 (7.1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Biau-Weiß-Blätter setzen. Außerdem dürfen wir auch nicht glauben: es sind ja genug Pflanzen der gleichen Art da, da können wir ruhig „so ein paar" pflücken: viele Pflanzenarten sind auf diese Weise in ganzen Landstrichen ausgerottet worden. Wenn wir dies bedenken, so werden wir aufhören, jede Pflanze, die wir finden, auch sogleich zu pflöcken, und werden auch die anderen ermahnen, dass sie es ebenso machen. Wir werden dann ein Stück Erziehungsarbeit an uns leisten. Denn unsere Liebe, unsere enge Vertrautheit mit der Natur wird dadurch größer und zur Ehrfurcht vor der Natur werden. Wir werden auch entsagen und uns beherrschen lernen, und wir werden uns angewöhnen, alles was wir tun, bedacht zu tun und zwecklose Handlungen, die nur schaden, aber nicht nützen, zu unterlassen. Auch unsere Wanderung wird dadurch immer mehr das werden, was sie sein soll. Denn nichts wirkt so wohltätig, so gesund, so stärkend für die Seele, als ein tiefer und ehrfürchtiger Blick in die Fülle der Schönheiten, die uns die Natur bietet. Paul Graetz, Freiburg: 1. Br V. „Du magst, soviel dir nur beliebt, von Blumen pflücken, Und dich, und wen du willst, und was, damit zu schmücken. Dazu sind Blumen da, von dir gepflückt zu sein; Sie laden selber dich dazu mit Nicken ein. Nur eines unterlass' ich nicht, dir einzuschärfen: Daß du nichts pflücken sollst, nur um es wegzuwerfen. Bedenk: der schöne Strauß des Frühlings blüht für dich; Doch wenn du ihn nicht brauchst, so laß ihn blühn für sich." (Fr. Rücken) Gewiß sie sind da zu unsrer Freude, die Blumen da draußen; wir -wollen ihre Schönheit entdecken, wollen sie genießen und uns zunutze machen, aber — wir wollen sie auch achten. Blumen sind lebende Wesen, die aufkeimen, sich erschließen und dann ihr eignes Leben führen, ein Dasein — uns zunächst fremd und unbekannt; aber wenn wir wollen, und wenn wir unsere Sinne offenhalten, kann uns auch dieses Blumenleben allmählich bekannt und vertraut werden. Besonders uns, die wir auch beginnen, draußen heimisch zu werden und erst recht aufzuleben, kann das nicht schwer fallen: wir werden gute Freunde mit den Blumen* wir fangen an, sie kennen und verstehen zulernen, wir erfahren, was jede von ihnen braucht, um zu leben. Und dann wissen wir, ob wir sie mit uns nehmen dürfen, ob sie bei uns daheim weiterleben können, oder ob sie sterben, sobald man sie dem Boden entreißt. * Was wir von der Blume draußen in Feld und Wald erfahren haben, wollen wir anwenden, wenn wir ihr bei uns zu Haus ein Leben schaffen; wir wollen ihr soviel Licht, Luft und Wasser