Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 4 (7.1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-Weiß-Blätter 5 Es ist auch nicht schön, wenn Wanderer auf einer Wiese um die einzelnen Blumen raufen. Es wäre besser, wenn wir «ein eigenes Heim hätten, dann könnten wir gemeinsam einen; Strauß Sammeln, Um es ZU Schmücken. Ernst Freud, Mönchen IV. Wer ein richtiger Wanderer ist, muß sich hierüber klar sein. Er muß wissen, was ihm die Natur bedeutet und danach handeln. Ebenso wie es eine Grausamkeit ist, irgend ein Tier —^ und sei es ein noch so schöner, bunter Käfer, ein noch so herrv. lieber Schmetterling^ wegzunehmen, oder gar mquälen und zu töten*), so ist es ein störender Eingrin in die> Natur, von der auch unser Leben nur ein Teil ist, wenn man sinnlos, wie es meist geschieht, eine Pflanze aus dem Boden' reißt. Es ist immer so: man kommt an eine Wiese, ganz bunt von gelben, blauen, roten Blumen, gleich packt einen die Pflöck/ wut, und man sammelt soviel, bis man's kaum noch mit den Händen zusammenhalten kann. Würde man nach dem Grund fragen, so wäre die Antwort: Ja, dies ist so ein schöner Strauß; den wollen wir nach Hause nehmen und in Wasser setzen, er wird sich sicher ein paar Tage halten. Erstens wird aber derStrauß schon nach ein paarStunden welksein, zweitens - ist es nicht schöner, wochenlang dieselben Blumen; in ihrer natürlichen Umgebung im hellen Sonnenlichte stehen zu sehen und sich an ihrem Anblick, ihren Faiben zu erfreuen, als ein paar Tage die Blumen, die verschiedenen Arten dicht aneinandergepreßt, auf dem Fensterbrette oder sonstwo im Zimmer langsam dahinwelken zu sehen? Wir haben als Wan7. derer Gelegenheit genug, die Farben prach h d e. r Blumen in der Natur zu genießen! Deshalb ist der Notbehelf des Blumenpflückens für uns überflüssig und darunr eine Versündigung an der Natur. Wenn die „Sommerfrischlervdiese Leute aus der Großstadt, die nicht so glücklich sind, wie» wir, einmal Blumen pflücken, so ist es noch zu entschuldigen; sie wollen wenigstens zu Hause eine kleine Erinnerung an Wald > und Wiese haben, die sie so selten zu sehen bekommen. — Besonders finde ich, daß das Heidekraut, in der Blüte Siehend, viel schöner aussieht, wenn es in großen Haufen in unserer nördlichen Sand?,» heimat wächst und von den Strahlen der untergehenden Sonne in ein brennendes Rot getaucht wird, als wenn sich Hundert?/ tausende darauf stürzen und nicht ruhen, als bis sie alles wegf gepflückt haben, und es dann zu Hause irgendwo in Wasser *) Etwas anderes ist es. wenn jemand eine Sammlung besitxt; dann wird er sich aber mit einem Exemplar jeder Art begnügen und nicht wähl- und planlos darauflosfangen.