Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 4 (7.1914)
- Date
- 1914-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Blau-Weiß-Blätter Zimmer. Das Heidekraut ist eine von den wenigen Pflanzen* die sich lange halten. Auch blühende Gräser können lange im Zimmer stehen. Ich glaube nun, daß das Abpflücken des Heidekrautes entschuldbar war, weil es teilweise zum Sammeln bestimmt war. Und wenn ein Sammler die Blumen, die er braucht sorgfältig mit nach Hause nimmt, sie dort preßt und in seine geordnete Sammlung einreiht, so wird das Abpflücken keiner rügen oder gar verbieten. Die Sammlung wird ihm immer wieder beim betrachten Freude machen, da jede Blume in ihm Erinnerungen wachruft, die ihm lieb und teuer sind. Und schließlich meine ich: Wieviel schöner sieht doch die Natur aus, wenn man sie betrachtet und bewundert, statt sie ihrer Schönheit zu berauben, wie ist doch der Strauß der Natur so ganz anders als ein gepflückter! Dort harmonieren alle Farben, gehen ineinander über, und doch ist jede Pflanze ein kleines Individuum. Also pflückt keine Blumen unnütz ab! Ebenso sollt ihr die kleinen Tierchen leben lassen. „Quäle nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt wie Du den Schmerz.tt Und wer hat denn erwiesen, daß die Pflanzen nicht fühlen können wie Wir? Kurt Joseph, Berlin III. Auf meinem Schreibtisch stehen Blumen: weißes Knabenkraut und das dunklere, violette und dazwischen kleine Vergißmeinnicht. Bei meiner Arbeit fühle ich ihren starken Duft, und da denke ich an die gestrige Fahrt und an die sonnige Wiese, auf der wir sie gefunden haben. Mit ihnen habe ich mir einen Teil von draußen in die Stadt mitgebracht. Deshalb glaube ich, daß wir auf Blumen nicht ganz verzichten können, und daß es nicht recht wäre, wenn wir im Wanderbund uns durch ein strenges Gesetz das Blumenpflücken ganz verbieten würden. (Es genügt uns eben nicht, die Blumen zu sehen; unser Interesse und damit unser Zusammenhang mit der Natur wird größer sein, wenn wir wissen, daß wir sie besitzen können.) Wir müssen nur manches dabei bedenken: wir sind viele, und wenn jeder von uns bei jeder Fahrt einen großen Strauß pflücken würde, dann gäb' es bald keine Blumen mehr. Deshalb müssen wir sehr bescheiden sein, besonders bei seltenen Pflanzen Obstblüten und Bäume dürfen nie berührt werden. Es soll auch nichts umsonst abgerissen werden, nichts am Vormittag, wenn wir noch viele Stunden Wanderung vor uns haben, auf der die Blumen verwelken müßten, und nichts, um bald weggeworfen zu werden, oder um bei der nächsten Rast oder anf Abend in der Bahn liegen zu bleiben. Pflückt Blumen nur am Heimweg, bindet sie zusammen, damit sie nicht in der heißen Hand welken,; und vergeßt nicht, sie zu Hause gleich ins Wasser zu legen.