Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 3 (6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 Jugend zur Selbstzucht, zur körperlichen Tüchtigkeit und zur Kameradschaftlichkeit erziehen. Auch sie sind mit jüdischem Stolze und jüdischer Begeisterung erfüllt Denn auch sie arbeiten nicht bloß für sich, sondern zugleich für das Wohl der jüdischen Gemeinschaft Eine Freundespflicht war es daher, daß wir Berliner bei der Einweihung des neuen Sportplatzes des Jüdischen Turnvereins wBar-Kochbaw mittaten Hinter den Turnern, Ruderern. Fechtern, Leichtathleten marschier!en unter den Klängen der Musik die zehn Züge des Wanderbundes, gut geordnet und stolz zusammengeschlossen, in den Sportplatz ein Und wir fühlten, wie die Blicke der dreitausend Zuschauer mit freudiger Zustimmung auf uns ruhten. Diese Bücke der dreitausend Zuschauer haben uns eine kleine Weile froh gemacht. Und doch waren sie für uns Wanderer eigentlich störend. Denn dadurch unterscheiden wir uns von den Turnern, daß wir nicht in Hallen und auf umzäunten Plätzen, umgeben von Zuschauern, unser Wesen treiben. Die Stille und Einsamkeit der Natur ist unser Wanderreich. Dort, wo uns niemand sieht, wo wir mit uns und mit Blumen, Bäumen und Tieren, mit dem Wind und der Sonne allein sind, dort fühlen wir uns am wohlsten. Es ist nicht unsere Art, uns zu zeigen und uns bewundern zu lassen. Eine Freundespflicht gegenüber den Turnern war es, daß wir einmal von unserem Wege wichen. Jetzt sind wir froh, daß wir wieder wandern dürfen. „Offiziell" Häufig höre ich die Nachricht, daß sich einzelne Wanderbünde «offiziell" bei Öffentlichen Veranstaltungen beteiligen, um „Propaganda** für unsere Sache zu machen. Es ist traurig, und es zeigt, wis wenig Wandergeist solche Gruppen besitzen, wenn sie auf diese Weise den Bund heben wollen. Es ist nicht unsere Sache, nach Art der Pfadfinder „oftziell" zu werden, d. h., z. B. als „Festordner* zu glänzen. Wenn es aber doch solche räudige Schafe gibt, die bei solcher Gelegenheit zeigen wollen, daß sie „Blau-Weiß4* sind, statt zu wandern, so entferne man sie, ehe sie Schaden anrichten. Wir sind zum Wandern da. R. Kohn, Prag Zeichnen Eigentümlich berührte mich, was Marcus im Maiheft („Der Führer*) schreibt. Kann man glauben, daß sich die gesamte Führerschaft bis auf einen Mann gegen das Mitnehmen von Skizzenheften aussprach? Ist richtiges Zeichnen nicht das schönste Vergnügen auf der Fahrt? Wie sollen wir uns einmal nach langer Zeit an alF die schönen Fahrten erinnern, wenn wir nichts Lebendes vor Augen haben? Natürlich können wir die Jungen nicht zwingen zu zeichnen, denn nur aus eigenem Willen können wir etwas leisten. Also, Wanderbündler, zeichnet und photographiert alles, was schön ist, auch altjüdische Tempel und Friedhöfe, ferner Ghetto viertel, damit wir auch später an unsere Vergangenheit ei innert werden. Hoffentlich werden wir bald ein Archiv errichten, um zeigen zu können, was wir leisten Hedad* _ R. Kahn« Pra$ Eine Bitte Nun haben wir schon ein feines Liederbuch, um auch den Gesang des Volksliedes pflegen zu können. Aber ein Ding fehlt uns noch! Bin kleines Kochbuch, denn auch der Magen will auf der Fahrt versorgt sein! Wir wollen unser eigenes Büchlein haben, also Wanderbrüder, besonders ihr Wanderschwestern, macht euch auf zur Arbeit» und sendet mir alles, was euch gut, billig und schmackhaft dünkt Hedad! R. Kohn, Prag-Karolloenthal Havlitschekg. 4