Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 3 (6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-Weiß-Blätter mesehr wir Blau-Weißen alle zusammengehören, mögen wir 15 Jahre alt sein oder 25. Man hat im Wandervogel viel über dies Verhältnis zwischen „Alten44 und „Jungen" gesprochen und geschrieben. Uns ist die Frage nicht brennend. Ein-festes Band der Kameradschaftlichkeit und des Vertrauens verbindet Wanderer und Führer. Wer kein Verständnis dafür hat, steht außerhalb unserer Gemeinschaft. Zum guten Willen gehört freilich Erziehung und Gewöhnung. Hört nicht auf, euch zu erziehen, gewöhnt euch auch Kleines ernst zu nehmen. — Es ist mehr als nur eine harmlose Nachlässigkeit, wenn man sich im Heim etwa von einer Arbeit drückt, in dem frohen Bewußtsein, daß die andern es ja schon machen werden. Unser Wandeigeist verlangt, daß wir fyr einander einstehen, nicht, daß wir einander ausnutzen. Karl Glaser, Berlin Heimabend Die folgenden Zeilen, die aus der Feder einer siebzigjährigen Dame stammen, zeigen uns, daß das Alter die Jugend versteht, wenn es sich einen jugendlichen Geist bewahrt hat. Wir sind der Verfasserin umso dankbarer, als wir nicht immer von den Aelteren in so gütiger und liebevoller Weise beurteilt werden. D. R. Diese Heimabende sind eine wundervolle Einrichtung, eine an das Wandern angegliederte Vollendung desselben. Ohne die Geister des Alkohols;-ohne unschönes Ueberschäumen, gestalten sie sich zu dem, was sie sein sollen, zu kameradschaftlichem, bewußtem Zusammenschluß junger Juden und Jüdinnen zu frohgemuter Geselligkeit. Und wer einen Heimabend kennt, wie ich ihn am 18. April, am Ausgange des Peßachfestes, erleben durfte, der weiß, welch' tiefem Sinne sie dienen, welch* hohen Zweck sie erfüllen. Und wer wie ich, die ihre Jugendzeit weit hinter sich hat, diese fünfzig Wanderer und Wandrerinnen in ihrem Frohmut, in ihrem von Wanderlust beschwingten Hochgefühl sah, der möchte am liebsten noch selbst zum" Stecken greifen, mochte alle Lebensmüdigkeit abschütteln, um zurück ins Jugendland und dann mit hinaus in die Freiheit der Wälder und Felder zu ziehen. Daß aber außerdem dieser Heimabend eine ganz besonders köstliche jüdische Note trug, das ist Herrn Dr. Otto Simon zu danken. Er verstand es, bei diesen jungen Menschen H'erzenstone anzuschlagen, die bei manchen bereits verklungen sind, bei vielen aber niemals geklungen haben, und die das Geheimnis besitzen, in jedem jüdischen Gemüt eine verwandte Saite zu treffen, die mitweint und mitjubelt. Zuerst sprach er über die Bedeutung des Peßachfestes, und obwohl allen Anwesenden diese erste große Wanderung unseres Volkes doch