Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 3 (6.1914)
- Date
- 1914-06-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Blau-Weiß-Blätter dunkel.; die Stimmung steigt und man merkt, alle die rings auf den Bänken sitzen, freuen sich über die neuen Mitfahrer. — Einer nach dem anderen fällt mit in unsere Lieder ein. Der Mensch freut sich mit dem Menschen. Simon Wertheim, Hamburg Fünf Tage im Heim i Zwei sitzen im Garten auf der selbstgezimmerten Bank und singen. Der Wind weht die Töne über die dunkle Dorfgasse, Fenster klappen, Kinder lachen und lauschen. Dann kommt es klingend die Straße herauf, die beiden springen empor, laufen zur Tür. Die geschlossene Schar, die heranzieht, löst sich; ein paar Uebermütige stürmen voraus, winken und rufen. An der Pforte Händeschütteln und frohes Schalom! Wir sind zu Hause. Vor kaum einer Stunde fuhren wir vom Bahnhof Zoo ab, und schon liegt Berlin hinter uns wie ein fremdes, böses Märchen» Nichts erinnert an die große Stadt, als der helle Schein fern am östlichen Horizont. Da hinten gibt es also enge steinerne Straßen, Denkmäler und Fabriken, Cafes und Schulen und viele, viele Sorgen.... II. Wir sind sehr stolz auf unser Heim, denn es steckt mancher Tag heißer Arbeit darin. Als wir s fanden, war s ein verfallener schmutziger Bau, ganz verwahrlost, die rechte Räuberhöhle. Jetzt ist alles sauber und fein, und wir möchten kein Stäubchen auf den Möbeln dulden. Ganz früh beginnt die Arbeit, mit Fegen und Scheuern: Betten werden gesäubert und fortgestellt, einer klappert mit Eimer und Besen auf die Straße hinaus, den Damm zu fegen. Auf dem Hof ist die übliche Ueberschwemmung. Da stehen unsere Jungen, in der frischen Morgenluft fröstelnd, nackt bis zum Gurt, am Brunnen und lassen sich das kalte Wasser über Hals und Rücken laufen. Freilich gibt's manchen, der sich drücken will, keinen, den nicht der Spott der Kameraden doch unter die Pumpe treibt. Und dann — kaum, daß der Letzte die Joppe über den rotgerubbelten Rücken gezogen — braust es über die Landstraße wie die wilde Jagd, den roten Kiefernstämmen zu, die am Rande der Nuthewiesen in der Frühsonne glänzen. Eine Viertelstunde später ist alles wieder zurück mit roten Wangen und blanken Augen; der Waldlauf hat auch dem Schläfrigsten das Blut durch die Adern gejagt. III. Unter der großen Linde ist der Tisch gedeckt. Die Tassen zeigen die verschiedensten Muster, aber sie sind ganz und sauber.