Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1914-06-01 · 3 (6.1914) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
3 (6.1914)
Date
1914-06-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2425321-3181687-3181691--0214-3182042
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Blau-Weiß-Blätter 5 würde sich bald ein Diskussionsklub im Grünen aus unserem „Blau-Weiß" entwickelt haben. Liegt es einem Jungen nicht besser, in unseren Reihen zwecklos fröhlich zu sein und Ausdauer, Energie, Disziplin, Körperkraft, Kameradschaftlichkeit zu ) üben? Das Gespenst der Politik muß von vornherein verscheucht werden. Drei Führer halten einen Augenblick Kriegsrat, und bald ist man dabei, den Tendenzredner auf frischfröhliche Weise zu kurieren. Die drei stürzen sich auf ihn, halten ihn fest und rollen mit ihm den Rain hinunter. — Er weiß, was wir wollen. — Unsere kleine Kolonne zieht einen schattigen Waldpfad entlang; das Gelände hebt sich und senkt sich dann wieder leicht. — Einzeln oder zu zweien marschieren wir weiter. Vorne ist der Hilfsführer mit seiner Karte beschäftigt und äugt von Zeit zu Zeit nach dem Stand der Sonne oder der Kompaßnadel —r Dieses starre Festklammern an die Hilfsmittel ist ein Anfangsfehler, der durch Erfahrung überwunden wird. — Zwei Jungens folgen Arm in Arm; ihr lautes Lachen übertönt alle. In Ab- " ständen kommen die anderen; Wandererlebnisse, Militär- und Manövergeschichten dienen der Unterhaltung. Da trottet auch einer allein, freut sich über die Schönheiten der Natur, den blauen Himmel und pfeift sein Liedchen vor sich hin. Den Schluß machen zwei Führer.--— Sonne, Zeit, ein Wäldchen, eine Wasserstelle fordern zum Lagern auf. Bald ist ein bemooster, einsamer Platz, von hohen Tannen umgeben, gefunden. Eine einfache Kost mundet besser, als das Essen auf einer Gasterei. Dann liegt man. aller unnötigen Kleidungsstücke entledigt, in der Sonne, ruht und schmort. — Bald findet sich eine Gruppe, die der guten Stimmung Ausdruck verleiht. Eine Klampfe begleitet schöne deutsche Volkslieder. Dann trägt einer ein neues Lied vor, und schließlich verlangen die Jungens auch ein jüdisches Volkslied. — Früher fragten die kleinen Kerle oft, zu was denn die jüdischen Lieder vorn im Liederbuch seien, die man nicht recht versteht und nicht singt Die Wandlung ist erfreulich. Es steigt ein neckisch-schwere mütiges Lied; allmählich singt s der ganze Kreis und freut sich! daran. Man merkt, das hat in die jungen Seelen eingeschlagen. Bald wird es Gemeingut aller sein. — Nach einem Spiel auf einer Waldwiese rüstet man sich zum Aufbruch; der Anzug wird in Ordnung gebracht, der Lagerplatz gesäubert, der Rucksack über die Schulter geworfen, und bald befindet sich alles auf dem Weg. Gemeinsame Lieder verkürzen den Marsch. Auf dem Bahnhof wartet man den Zug ab: der ist voll besetzt und wir freuen uns, als wir uns in einem Wagen 4. Klasse auf dem Boden häuslich niederlassen können, — Den Mittelpunkt bildet ein Führer mit seinem Instrument, das er gut handhabt. — Ein Lied folgt dem andern. Allmählich wird es

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.