Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 2 (5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Blau-Weiß-Blälter Ferien Erst als wir in Trebbin ausstiegen, bemerkten wir, daß wir unsere Karten vergessen hatten. Unter sehr großen Schwierigkeiten gelang es uns, eine Karte des Kreises Teltow aufzutreiben, auf der kaum die hauptsächlichsten Wege eingezeichnet waren. Trebbin ist ein schönes Landstädtchen, das vom Strome der Sonntagsausflügler noch nicht überschwemmt wird. Es hat daher — besser, als die Orte im Westen und Osten Berlins. — seine ursprüngliche Gestalt behalten. Die Häuser sind altertümlich gebaut und haben steile Dächer und hohe Giebel, an denen kreuzweise hölzerne Pferdeköpfe angebracht sind. Man glaubt, in, einem jener märkischen Städtchen zu sein, die Fontane in seinen Erzählungen liebevoll schildert. Kurz hinter Trebbin schon kamen wir ins Hügelland, das von den Ausläufern des Fläming gebildetwird. Hier in der ebenen Mark wird jede über 100 Meter hohe Erhebung schon als „Berg" angesehen, und so kamen wir uns als die richtigen Bergkraxler vor, als wir auf dem 103 Meter hohen Kienberg Rast machten. Dort oben war es aber auch wirklich schön, und trotz des trüben Wetters hatten wir eine wundervolle Fernsicht. Am fernen Horizont sah man den Schnellzug Berlin—Dresden wie eine schwarze Schlange durch die Ebene kriechen, in den Wäldern verschwinden und wieder zum Vorschein kommen. Rauchwolken bezeichneten seinen Weg. Ein schönes Bild bot die Nuthe. Nach beiden Seiten hin war sie weit aus den Ufern getreten, und kilometerweit konnte man ihren stromartigen Lauf verfolgen. Aus den überschwemmten Wiesen ragten einsam Bäume und Sträucher empor. Der Kiefernwald, der den Berg bis zur halben Höhe bedeckt, trug noch sein dunkles Winterkleid, das einen eigenartigen Kontrast zu dem gelben Sande der Lichtungen bildete. Dumpfer Geschützdonner, der vom Jüterboger Truppenübungsplatz herkam, machte die Luft erzittern. Die ganze Trebbiner Gegend ist bis vor nicht allzu langer Zeit wendisch gewesen. Namen wie Wendisch-Wilmersdori Wendisch-Buchholz usw. erinnern noch daran. In einigen Dörfern gibt es noch Reste der wendischen Bevölkerung. So kann man z. B. im Kietz am Gröbener See des Sonntags die Burschen und Mädchen noch in ihrer alten Nationaltracht sehen. Auch das Löwendorf, das am Fuße des Kienberges gelegen ist, scheint wendischen Ursprungs zu sein. Denn" es ist, wie wir aus der Vogelschau sehen konnten, der Typ eines slavischen Rundlings: alle Gehöfte sind um den Weiher herum gelegen und nur eine einzige Zugangsstraße führt von der Landstraße ins Dorf hinein. Nach diesen gelehrten Betrachtungen, und nachdem unser Klampfenmann einige stimmungsvolle Lieder gesungen hatte» zogen wir weiter. Es fing jetzt zu regnen an, und erst am