Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 2 (5.1914)
- Date
- 1914-05-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-Weiß-Bläüer 3 das es zu erreichen gilt, nicht ein Ueberbleibsel, das zu fiberwinden ist. Als Juden wandern wir nicht am Sabbath, kochen in unserm Hordentopf koscher, singen alle judischen Lieder vom jüdischen Volkslied bis zum hebräischen Freiheitslied, grüßen uns und andere mit dem jüdischen Ruf Schalorh und feiern frei und jubelnd unsere Feste Purim, Pessach und Chanukah. Wir sind stolz auf unser Judentum, wenn wir auf ■ den Bergen bei Kaputh bei acht lodernden Feuern uns vor aller Welt als Juden bekennen, mag man auch den Berg jetzt Judenberg nennen. Darin liegt für uns kein Schimpf mehr. Wir wissen zwar und merken es oft, wie stark der Antisemitismus in Deutschland ist. Ja. draußen in der Welt, auf Land und Stadt, da gibts Judenhaß. Den werden wir lachend bekämpfen. Denn niemand von uns soll eine Beschimpfung hinnehmen, überhören. Kämpfe^ für Deine jüdische Ehre! Und wenn Du auch unterliegst, Du wirst Dir die Achtung Deiner Gegner erringen, wenn Du ihnenstehst und nicht feige davonschleichst. - Absonderung, ruft man uns tadelnd entgegen! Gewiß, wir sondern uns ab, aber nicht nur weil wir wollen, sondern weil wir müssen. Die Liebe zum Judentum, die wir wecken wollen, kann ja nur in jüdischer Gemeinschaft gedeihen. Sind wir denn in den christlichen Verbänden gleichgestellt, können wir es denn unserer Zahl nach verlangen, daß man auch unsere. Feste feiert? Ja, einige von uns waren früher so gewissenlos: an Weihnachts- und Sonnenwendfeiern teilzunehmen. Im Wander-' bund aber sind wir Juden und feiern jüdische Feste. Der posP tive Wille zum Judentum rechtfertigt unseren Zusammenschluß. Wir brauchten nicht einmal einen verschleierten antisemitischen Osterbeschluß des großen deutschen Wandervogels. Nicht nationaliüdisch, nicht zionistisch sind wir, wie uns Uebelwollende nachsagen. Wir sind jüdisch. Das sagt uns mehr. Und eine Jugendbewegung. Als solche stehen wir über den Parteien. Nichts Jüdisches ist uns fremd. Wir wagen es sogar, Worte wie Freiheit, Palästina, Schalom zu gebrauchen, jüdische Freiheitslieder zu singen. Aber nie werden wir so tQ: rieht sein, die jüdische Jugend einer Partei auszuliefern. Noch sind unsere Jungen und Mädels gesund und frei genug, um sich durch Verdächtigungen nicht Angst machen zu lassen. Und noch haben sie genug natürliches jüdisches Gefühl, um besonders stolz darauf zu sein, daß es jetzt auch in Jerusalem einen Jüdischen Wanderbund „Blau-Weiß* gibt, wie in Berlin. Georg Todtmaoit, Beriia