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Blau-Weiss-Blätter · 1914-04-01 · 1 (4.1914) · page 17

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
1 (4.1914)
Date
1914-04-01
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Blan-Weiß-Blatter 13 Wanderer und Wandrerinnen, die in der Lage sind, uns Feldbetten für tmser Landheini in Drewitz zu stiften, oder deren Eltern bereit wären, uns für diesen Zweck Geld oder Wirtschaftsgegenstände zur Verfügung zu stellen» werden gebeten, dies dem Führer Glaser schriftlich mitzuteilen. München. Der Betrieb bei uns Münchnern war für den Aufang recht erfreulich. Wir können uns damit zufriedengeben, daß wir von den 4j Wanderern» die wir bis jetzt haben, jeden Sonntag ca. 20 auf die Beine bringen. Jede Tour soll natürlich die feinste gewesen sein, und niemand möchte seine Erlebnisse^ mit den andern tauschen; die einen schwärmen von der feinen Wagerlfahrt, andere von der Eisfloßfahrt auf dem Ammersee, wieder andere von den zünftigen Skifahrten. Wie schön es erst an den Ferienfahrten wird, könnt ihr Euch garnicht denken. Fordert Eu^e Schulkameraden, die S'ch für den Waederbund eignen, auf, mitzukommen, nicht erst im Sommer, sondern jetzt. Im Sportshaus Schuster, Rosenstraße, bekommen alle Mitglieder des Blau- Weiß auf die Ausweiskarte 10 Prozent Ermäßigung. Bücher Chad Gadjah, das Peßachbuch. Herausgegeben von Hugo Herrmann, Jüdischer Verlag, Berlin 1914. Preis geh. 3 M, geb. 5 AL Von allen hohen Feiertagen ist das Peßachfest, das Fest der Volksbefreiung, das einzige, das an ein bestimmtes geschichtliches Ereignis anknüpft. Alle anderen geschichtlichen Gedenktage sind Fasttage oder Halbfeiertage. Das kam der jung jüdischen Bewegung zugute. Sie, die den geschichtlichen Siolz und das Bewußtsein wecken will, daß du einem Volke mit einer alten Vergangenheit angehörst, hat die geschichtlichen Erinnerungsfeste mit ihrer Liebe bedacht, und so hat sie vor allem das Cbanukafest mit neuem Geiste zu erfüllen gesucht. Das konnte sie nur, weil die Halbfeiertage mit ihrem nachgiebigerem Ritual der umschaffenden Phantasie einen gewissen Spielraum lassen. Auch dem Pessachfest hat die Phantasie des Volkes freier und mutiger als den anderen hohen Festen gegenübergestanden. Zwar ist es trotz seiner geschichtlichen Anknüpfung kein wirkliches Geschichtsfest, kein wirkliches Fest der Erinnerung. Das hat Zlozisti in dem neuen Peßachbuch, dem diese Zeüen gelten, in einer Studie über die Hagadah fein nachgewiesen. Dem, was er zum Beweise sagt, braucht nur noch hinzugefügt zu werden, daß Peßach eben doch ein hohes religiöses Fest geworden ist. Alle religiösen Feste aber werden als notwendige Erscheinung und Teile der Gegenwart empfunden: die geschichtliche Beziehung ist nur das Thema der Gottesverehrung. Andrerseits ist aber das Peßachfest so reich an geschichtlichen Beziehungen und unmiueibarea Erinnerungen, daß es gefühlsmäßig mit dem Auszuge aus Aegypten fest verknüpft erscheint. Darum ist es doch mehr als jedes andere das Fest geschichtlicher Sitten und Gebräuche, in denen nicht sowohl die Idee der Gottesverehrung als vielmehr der Erinnerung an vergangene Zeiten zum Ausdruck gelangt» Darum ist es das Fest der Kinder und der kindlichen Freude, das Fest des> Künstlers und der Phantasie. Zwar, an dem Ritual des hohen Festes konnte nicht gerüttelt werden, obschon auch dieses eine bemerkenswerte Entwickeiung durchgemacht hat. Aber an jenem eigentümlichen Buche, das den besonderen Charakter des Peßachfestes sofort erkennen läst, an der Hagadah, übte sich die Phantasie des Volkes. Schon in der Anlage der Hagadah. in der sich Erzählung und Gebet und Ernst und Scherz mischen, wird es deutlich, daß das Fest von - jeher — mehr als irgend ein anderes — als ein Fest des Daseins und des- - Menschseins empfunden wurde. Die Hagadah, unser irdischstes Gebetbuch

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