Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 1 (4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-Weiß-Blätter 11 Verstellen die Menschen seines Stammes, des alemannischen, schildert; seine Muse findet nur dann reinsten Ton. wenn sie auf dem Heimatgrunde, in dem der Dichter selbst wurzel*. bodenständig ruhen darf. Ohne Laute eigenen Volkstums findet der Dichter keine Klänge. End lieft aber fanden wir in Scheffel, Anfänge und Anklänge an Grunde unserer jungen jüdischen Wanderbewegung selbst. Der Dichter zieht hinaus in die Welt als fahrender Schüler, als sangest froher und sangeskundiger Scholar, um sich beim Wandern im junggrünen Wald und an der brausenden See, in der ergreitenden Weite des Hochgebirges und beim Rauschen frischer Quellen Ruhe und Frieden, Gesundheit für Leib und Seele zu erwandern, er hat viel Leid und Verfolgung erlitten und weiß, daß. ihm die Natur am besten und am liebsten, wenn er sie wandernd sich erobert, wundersame Heilkräfte bringen wird. Auch für die jüdische Wanderbewegung, die zur Allmutter Natur zurückführen will, sind des Sängers und Wanderers Scheffel Trosteswoite wertvoll: Wie verklärt strahlt mir entgegen - Gottes Welt, wie groß, wie weit! Steirisch Meer, ich fühl den Segen Deiner keuschen Herrlichkeit. Was gequält mich und gekränket, Was des Denkens Folter war, Tief zum Seegrund sei's gesenket, Sei vergessen immerdar! Dr. Otto Simon, Mannheim. Mit dem Ski auf die Rotwand Wir fahren nach Geitau und ziehen mit den Brettln auf der Schulter los. Eine Stunde durch den Wald aufwärts, und wir konnten die Skier anschnallen. Aber diesmal ging's nicht so einfach; der Wind peitschte uns Regen und Schnee ins Gesicht; der Schnee war sehr verbarrscht, vor uns dichter Nebel. Gut war's» daß wir die Route genau kannten: nachdem wir volle drei Stunden gegangen waren, sehen wir vor uns das Haus; so durchnäßt, wie wir waren, mußten wir wohl oder übel reingehen. Die nassen Kleider wurden an den Ofen gehängt» wir lagern uns in seine Nähe und schlürfen unsern Tee. Es wird uns wärmer und behaglicher. Ein Jubelschrei von unsrem kleinen Dicken, und wir seherV die Sonne. Wir packen unsere Rucksäcke und gehen hinaus. Eine herrliche sonndurchglänzte Landschaft liegt vor uns. Besonders fein sind die Buchenköpfe und der Wendelstein. Noch einige photographischr Aufnahmen werden gemacht, und wir schnallen an und im Saus gehis runter. Schwünge können wir freilich noch nicht gut, aber abfahren schon ganz anständig, und das ist bei uns Wänderbündlern das Wichtigste; nur zu rasch ist die Abfahrt gegangen;•. bei jedem Brockerl Schnee hat der Heini nochmal angeschnallt, um noch & bisser! abfahren zu können. Zum Schluß ein schöner Marsch in der Ebene, und wir kommen grad zum Abgang vom Zug in die Station. Vornehme Leute esse» ihr Mittagessen am Abend, natürlich wir auch. Fein hat's uns geschmeckt. Zuguterletzt sangen wir noch ein paar lustige Lieder und mit dem „Ade zur guten Nacht* fuhr der Zug in München ein. Am gleichen Sonntag wurden noch 2 Fahrten gemacht, mit 7 Buben und 7 Mädels. Henny Feuchtwanger, München.