Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 2 (1914-1915)
- Issue
- 1 (4.1914)
- Date
- 1914-04-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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2 Blau-Weiß-Blätter und der Frühling, selbst ein froher Wanderbruder, verschmäht es, die Reise mit Eildampfer und Expreßzug abzukürzen. Er liebt es, sich umzusehen und dorthin, wo es ihn besonders kahl und öde dünkt, eine Handvoll duftender Blüten oder ein Bündel goldener Strahlen hinzuwerfen. Da mag es freilich ein wenig lange dauern. Endlich aber kommt er ja doch, und sobald sich seine ersten Boten zeigen, wollen wir hinauseilen, ihn bei uns willkommen zu heißen. Für den 22. März ist unser zweites Frühlingsfest angesetzt. Alle Züge werden sich auf der großen Wiese bei Hochroterd treffen, und dort* wo unser kunstfertiger erster Zug seinen berühmten „blau-weißen Herd" errichtet hat, werden wir unseren Frühlingsbaum pflanzen. Daß Spiel und Sang nicht fehlen sollen, ist selbstverständlich. Uns aber soll der selbs.tgepflanzte Baum zum Sinnbild werden. Tief werden sich seine Wurzeln in die Erde schmiegen, seine jungen Zweige werden sich dem Sonnenlicht entgegenstrecken, und seine Krone wird von Jahr zu Jahr stolzer dem Himmel entgegenragen. Und wir jungen Juden wollen uns stets inniger mit Natur und Natürlichkeit befreunden, bis wir wieder tief verwurzelt sind mit Mutter Erde. Und dem Lichte wollen wir zustreben, bis alle Spuren niedrigen Sinnes, alle Male finsterer Unfreiheit von uns gewichen sind. Und von Jahr zu Jahr wird er höher ragen, der stolze Baum der neuen jüdischen Jugend, otto Schick, wie» Frühling in Erez Jisrael I. Dicht sind die Mandelbäume mit weißem Schnee bedeckt. — Ja, Schnee ist jetzt in Berlin oder Wien nichts besonderes; den habt ihr wohl jetzt in Massen und führt die lustigsten Kriege auf euren Wanderungen. — Aber der Schnee hier auf unseren Mandelbäumen ist nicht kalt und schmilzt nicht wenn man ihn berührt. Ja, er duftet! Tausende von weißen Blüten sind's, die seit Tagen die Aeste bedecken; denn wisset, Freunde und Freundinnen: Wir haben Frühling, herrlich lachenden, lieblichen Frühling! — Veilchen, Narzissen und Rosen wachsen in Fülle in den Gärten. Schon lange sprießt der Safran auf den Wiesen. So viele Zyklamen habt ihr wohl noch nie gesehen und am Wegrain gucken die roten Köpfchen der Anemonen hervor und grüßen den Wanderer, der frohen Herzens durch das Land zieht; — — In wenigen Tagen werden wir hier ein schönes Fest feiern: „Rosch haschanah leilanothM> nennt man es, „Neujahrsfest der Bäume". — Dann werden alle die Jungen und Mädchen der hebräischen Schulen Jerusalems in langem Zuge nach einem