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Blau-Weiss-Blätter · 1914-04-01 · 1 (4.1914) · page 3

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Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
2 (1914-1915)
Issue
1 (4.1914)
Date
1914-04-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Jahrgang II April 1914 Heft 1 Unser Gruß an den Frühling Einmal in diesem Jahre haben wir schon Frühling gefeiert, wenn wir auch den lieben Gast garnicht recht zu Gesicht bekommen hatten. £s war zu einer Zeit, da der Schnee draußen in unseren Wäldern noch lustig unter den Füßen knirschte, 4ie Tannen und Föhren im schweren Schmucke des schimmernden Anraums standen und die zarten Hälmchen unserer Wiesen vergeblich aus ihren Reifpanzern nach einem Strahl junger Frühlingssonne auslugten. Dort hatte der scharfe Nord ganze Hügel blendenden GÜtzerstaubes hingeweht, und weite Gebiete galT es, in denen man keinerlei Trittspuren lebender Wesen finden konnte, höchstens hie und da die eines Rudels hungriger Rehe. Da mochte es wohl so mancher unserer Neulinge vorgezogen haben, in der sicheren Feste der väterlichen Wohnung den Feinden Sturm und Frost Trotz zu bieten, als — wie wir „älteren* Blau-Weißen — draußen auf freiem Feld den offenen Kampf aufzunehmen. Bei den Heimabenden aber, die am 15. Sch'wat von einzelnen Zügen veranstaltet wurden, fehlte keiner. Da feierten wir nach alter jüdischer Sitte den Frühling, der wohl noch nicht bei uns, aber doch drüben in Palästina seinen Einzug gehalten hatte. Am 15. Sctfwat wird im alten jüdischen Land, in Erez Israel, Rosch haschanah lilanoth, das Neujahrsfest der Bäume gefeiert. An diesem Tage zieht die jüdische Jugend aus Stadt und Dorf, die Kinder der jüdischen Bauern und die Schüler der hebräischen Schulen (heuer waren zum ersten Male auch „Blau- Weiße" dabei) hinaus, und jedes pflanzt einen Baum in die Erde, daß er der Zukunft reiche Früchte trage. Die frommen Juden aller Länder feiern alljährlich dieses Fest mit unseren Brüdern in Palästina mit, wenn es in Rußland oder Deutschland auch noch schneien und stürmen mag. So hielten auch wir es, wir Wiener „Blau-Weiße \ Unter dem Klange der „Gittith**) ertönten unsere schönen, iugendenstolzen Judenlieder. Nach alter Sitte wurden die fünfzehn Frühlingsfruchte aufgetragen und mit Jubel begrüßt. — Es war der Frühlingsjubel unserer erwachenden Jugend. Das war unser erstes Frühlingsfest. Hält nur erst Freund Frühling hierzulande seinen Einzug, dann soll es ein zweites geben. Freilich liegen vierzig Tage und vierzig Nächte zwischen den beiden. Denn der Weg von Erez Israel bis hierher ist weit*: •) Ein in der Bibel erwähntes Instrument.

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