Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 10 (2.1914)
- Date
- 1914-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Die Führer aber weckten nicht, und um V*10 Uhr gingen wir in ihr Zimmer und erklärten, sie müßten aufstehen, da die Geschäfte um 10 Uhr geschlossen würden, und wir noch keine Lebensmittel für den Tag hätten Das half denn auch, um 10 Uhr hatten wir alles was wir brauchten; dann tranken wir Kaffee und wanderten durch Brandenburg. Diesmal war uns das Wetter nicht hold, da Regenwetter eingetreten war. Die Wege waren vielfach aufgeweicht; und wir mußten durch matschige Dorfstraßen tapsen. Ein Dorf, das uns durch seine Lage besonders gut gefiel, war Rietz. Wir machten einige Versuche, wenn der Regen aufzuhören schien, Guitarre zu spielen. Im nächsten Augenblick setzte er aber wieder ein, und es platzten einige Saiten. Ungefähr gegen 4 Uhr beschlossen wir, in Nahmitz angelangt, eine Mittagsrast zu machen. Auf meinen Vorschlag gingen wir zum Lehrer, der uns freundlich empfing. Er stellte uns die erste Klasse des Doifes zur Verfügung und brachte uns nach unserem schlemmerhaften Essen noch eine schöne, große Kanne mit Kaffee. Dieser wurde noch besonders schmackhaft durch die kondensierte Milch, die wir mithatten. Es dauerte lange, bis wir uns trennten, und als wir endlich bereit dastanden, war es völlig dunkel geworden. Daher erbot sich der Lehrer, uns mit einer Laterne auf den rechten Weg zu bringen. Wir hatten, eigentlich die Absicht, uns an diesem Tage noch das Kloster Lehnin anzusehen. Aber in der Finsternis hätten wir nichts mehr sehen können und gingen geradeswegs unserm Nachtquartier zu. Der Regen hatte aufgehört, und wir zogen*, leise Lieder vor uns hin summend, durch die rabenschwarze Nacht Nach 2 Stunden kamen wir in unserm Quartier an. Es war Göhlsdorf. Wir kamen? zu Bekannten von mir, wurden freudig aufgenommen und mit einem kräftige» Abendbrot bewirtet. Wir unterhielten uns noch eine Weile und sangen einige Lieder zur Klampfe. Dann legten wir uns zur Ruhe nieder. Als nun die dämmernde Frühe mit Rosenfingern erwachte, Sprangen vom Lager empor der Wanderer fünfe des „Blau-Weiß", Legten die Kleider an und tranken den Kaffee, den süßen, Aßen den Kuchen dazu, den eigengebacknen der Hausfrau. Dann verabschiedeten wir uns und marschierten bei schönstem Wetter durch weite Obstgärten Schließlich kamen wir nach Werder. Dort verzehrten« wir unser Mittagbrot in einer Waschküche. Um 3 Uhr brachen wir auf und ließen uns über die Havel setzen. Auf unserer weiteren Wanderung sahen wir noch einen Fasan. Bald gelangten wir nach Wildpark, und so waren wir wieder in Berlin. Kurt Joseph, Berlin. Kampf und Sieg Kalt und schaurig wehte der Wind. Wert und breit keine Menschenseele. Eine Stunde lagen wir nun schon im Gestrüpp, um auf die Feinde zu lauern, die hoch oben "die Schanzen besetzt hielten und wohl auch Ausfälle unternehmen konnten Da plötzlich ein Ruf, ein Schrei; dann wieder Sülle und nur das Pfeifen des Windes. Wir entsenden einen Späher, der vom höchste» Baüinwipfel Ausschau hält. Und richtig meldet er einen herannahenden Zug. Freilich wissen wir nicht, sind's Freunde oder Feinde. Wir schleichen sachte aus dem Versteck, und trotz großer Entfernung erkennen wir gar bald, daß es> ein Schwärm der Unseren ist. Also die Gefahr für nun vorbei. Wir machen uns nun auch auf, um diesen Schwärm von hinten zu decken. Ganz nahe den Schanzen mußten wir uns bereits befinden, denn weithihschallendes Rufen „Juda-Makkabr und »Bar Kochba*, so war der Schiachtruf der beiden Parteien, wurde gehört, ich glaube, seit den Kämpfen in jener Zeit gab es niemals mehr einen Augenblick, in dem die Namen jener großen. Helden unseres Volkes so oft und so laut gerufen wurden. Plötzlich sehen wir vom höchsten Punkt des Berges die blauweiße Fahne flattern. Ein Hedad von allen Seiten» die unseren hatten die Schanzen gestürmt. Doch wie enttäuscht wären wir, als die Belagerten beteuerten, sie hätten die Fahne erbeutet. Trotzdem der Kampf als unentschieden galt, waren wir sehr froh, nach der gewaltigen Leistung endlich abkoche« zu dürfen. „Bar Kochba* und „Juda-