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Blau-Weiss-Blätter · 1914-02-01 · 10 (2.1914) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1913-1914)
Issue
10 (2.1914)
Date
1914-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 Drauflosmalen und -knipsen wenig getan. Ein bischen Talent :gehört schon dazu, etwas Ausdauer und Lust und Liebe. Kunstwerke sollen's ja nicht werden. Aber wer etwas tut, muß sich wenigstens dran freuen können und darüber hinaus etwas davon fiaben. So bemüht euch mit eigenen Augen zu sehen. Konventionelles, Abgelerntes wiederzugeben, hat wenig Zweck. .Zeichnung und Photographie sollten stets ein Stück Persönlichkeit dessen enthalten, der sie anfertigt. In der nächsten Nummer der Blau-Weißblätter werde ich versuchen, an der Hand einiger Bilder, die teilweise von unseren Wanderern stammen, zu zeigen, welche Wege der Photograph und der Zeichner gehen sollenr Hier möchte ich nur an jeder-, niann die dringende Bitte richten, seinen Kodak oder sein Skizzentouch nicht zu Haus einstauben zu lassen. Wer Angst %ror Beschädigung hat, möge sich sagen, daß Beides, wohl eingepackt, ebenso nutzlos ist, wie die Goldstücke, die der Geizkragen irf -seinem Garten verscharrt. — (Fortsetzung totgt? Kart Glaser, Berlin. =K Von Fahrten und Rasten MM Von de rChanuka Wanderung des zweiten Zu g e s Der Morgen war nach einer sternenklaren Nacht kalt und frisch. Es war vollkommen hell, aber die Sonne war noch nicht über dem Horizont erschienen. Als sie eben aufgegangen war, sahen wir in ihrem Glänze eine Stadt schimmern. Der Führer sagte, es wäre Brandenburg. Hinern bereitete es das allergrößte Vergnügen, in die gefrorenen Wasserlachen der .Landstraße hineinzuspringen,. so daß sie krachend aufbrachen und das Wasser nach allen Seiten platschte. Das erste Dorf, das wir erreichten, war, glaube ich, Gohütz. Dort gingen wir in ein kleines Gehölz, um uns vor dem schneidend ka.ten Wind zu schützen und verzehrten unser Frühstück. Wie hier, so wurden wir auch überall, wohin wir kamen, von der märkischen Dorfjugend -als .Wandervögel* betrachtet. Wir wanderten weiter. Der Wind wehte uns entgegen. Plötzlich stob einige Schritte vor uns, da wir im Gespräch vertieft -waren, ein Rudel Rehe nach rechts und links auseinander. Sie liefen eine Strecke vorwärts, blieben stehen, und als wir uns ihnen wieder näherten, jagten sie davon und entschwanden unseren Augen. Es wurde Mittag, und ein Dorf war nicht zu erblicken. Da stand am Wege ein Haus. Bei unserm Eintritt; gewahrten wir, daß es ganz verlassen, und ohne irgend welche Möbel seif Außer einem Behälter mit leeren Bierflaschen, einem zerbrochenen Puppen^ -wagen und einem Brett am Küchenfester mit einer Bank, fanden wir nur noch 2 Betten mit Stroh, eine leere Flasche und einen großen Kachelofen. Wir hielten 4as Häuschen für ein Vorwerk, in dem wahrscheinlich nur im Sommer die Knechte und Polen wohnen. Wir legten dort unsere Rucksacke nieder und fochten ab. Die Mahlzeit hätte sicher ein Fürst nicht verachten können. Nur einen Haken hatte das Essen: wir mußten das Geschirr in der kalten Luft an der Plumpe abwaschen. Dann gingen wir weiter und kamen durch viele Dörfe^.- An einer kleinen Anhöhe konnten wir einen Augenblick das Leben der Kaninchen beobachten. Es schieß sich Loch an Loch an. Aus den) einen huschten,-.die Tierchen hinaus und in das andere hinein. Gegen Abend kamen wir nach; Brandenburg, nachdem wir uns in der Vorstadt Krakau den Dom angesehen hatten. In der Herberge trennten wir uns von den Führern, die uns ankündigt^«; sie wurden uns am nächsten Morgen um 8 Uhr wecken.

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