Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 8 (12.1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- – (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-Weiß-Blätter 23 Wir gingen also wieder zu unseren Leuten zurück, woselbst Kriegsrat gehalten wurde. Wir beschlossen, das Lager im Stich zu lassen und gemeinschaftlich vorzudringen. Obwohl wir bald einen Vorposten trafen, kam das Spiel nicht zur Entscheidung, da keine Partei das Lager ihrer Feinde ausfindig machen konnte Die Zeit des Essens und der Ruhe war herangenaht, und wir bekamen die Erlaubnis zu lagern. Aber wo war Wasser zum Abkochen? Da weit und breit keine Quelle zu finden war, wurde beschlossen, ein Apfelkompott zu machen. Die Aepfel wurden eingesammelt und Köche bestimmt. Während das Feuer loderte und die Aepfel kochten, traten wir zum Fußballspiel an. Zu Beginn stand das Spiel zugunsten der weißen Partei 2 : 0. Aber nachdem wir den Torwächter gewechselt hatten, drängten wir vor, und es gelang uns, durch einen „Elfmeter" ein Goal zu machen. Mit dem zweiten Goal meiner Partei nahm das Spiel unentschieden sein Ende. Die Zeit nötigte uns aufzubrechen. Wir hatten nämlich noch gegen 6 km zurückzulegen. Doch unterwegs mußten wir anhalten, da eine Unbotmäßigkeit Wylers nicht ungesühnt bleiben konnte. Er sollte vor ein Schwurgericht gestellt werden. Die beiden Unterführer wurden mit Herrn Willard zu Vorsitzenden ernannt, während der Rest die Geschworenen bildete. Das Urteil wurde gefällt Seiner Jugend halber wurden ihm mildernde Umstände zugebilligt. Er mußte „Spießruten laufen" oder besser gesagt unter dem Joch durchgehen. Wir stellten uns in zwei Reihen auf Die linke Hand in die Höhe und die rechte zum Schlage gerichtet. „Mutig und mit frechem Schritte Springt er durch der Häscher Mitte." Und weiter ging's Mit Gesang und Gepfeife unserer Wanderlieder langten wir gegen 6 Uhr in Brunstatt an. Bald brach die Nacht herein und dunkel und nebelig war's, als wir in Mülhausen voneinander Abschied nahmen. Mit jüdischem Wandergruss! Georges Biod, Mülhausen. Eine schöne Halbtagsfahrt Letzten Sonntag, es war der 9. November, flogen wir Wiener „Blau- Weißen" wieder einmal aus. Als ich, Irma Zimmer, zum Treffpunkt kam, fand ich zu meiner Verwunderung beinahe unsern ganzen Zug vor. Ich sage Verwunderung, weil das Wetter früh eigentlich wenig verlockend war, und es sogar ein wenig tröpfelte. Nach einer gemütlichen Fahrt in der Straßenbahn erreichten wir unser Ziel, Pötzleinsdorf. Zum allgemeinen Jubel hatte inzwischen das Wetter umgeschlagen, und im hellsten Sonnenschein traten wir unsere Wanderung an. Mit uns waren 2 von den Lemberger Scouts, die beim Turnfest mitgeturnt hatten. Durch herbstlich schöne Wälder gingen wir über Neustift am Walde nach Salmannsdorf, wo wir die ehrlich ergangene Rast abhielten. Und sehr nobel hatten wir's, sogar Tische und Bänke! Nach dem Futtern gingen die Buben und beinahe alle Mädels auf die nächst liegende Wiese, um zu spielen, während wir, 3 Mädchen an der Zahl, Tee kochten. Es gibt wohl nichts mehr Erheiterndes, als so eine Kocherei, besonders wenn man so geschickt ist, wie wir es sind. Selbst die vorübergehenden Leute blieben stehen und lachten mit uns mit. Aber gut hat uns der Tee doch geschmeckt. Hierauf machten wir unter Leitung des einen Lembergers Freiübungen, die uns großen Spaß bereiteten. Leider nur zu rasch schlug die Aufbruchsstunde. Wir mobilisierten, wozu wir nur 15 Sekunden brauchten, doch wirklich eine Leistung! Wir marschierten in Rottenordnung ab, nachdem wir noch vorher photographiert worden waren. Schon kurze Zeit darauf hieß es: Rotten, Auflösung!, was ein freu-