Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 8 (12.1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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22 Blau-Weiß-Blätter wahrheitet sich der Ausspruch „wenn „Blau-Weiß" wandert, ist es immer schön" gerade nicht. Und gleichsam, als wojlte sich der Himmel für die Beleidigung rächen, daß ich ihm zumutete, wenn wir wandern, nicht im schönsten Blau zu prangen, hörte es sofort zu regnen auf, und die Sonne guckte aus den Wolken hervor. Wohlgemut ging ich zur Station Schottenring, unserem Versammlüngsplatz, wo schon die meisten Wanderer versammelt waren. Es dauerte auch nicht mehr lange und wir fuhren fort. Unser Ziel war das schöne Grinzing. Von dort ging es in flottem Tempo auf den Kobenzl hinauf, wo wir die langersehnte Rast hielterb. „Langersehnt" nicht aus Müdigkeit, denn eine jüdische Wandrerin ermüdet nicht so bald, aber — der Magen verlangte seine Rechte. Nachdem unser Hunger einigermaßen gestillt war, wurden wir photographiert, und nun ging es weiter. Wir kamen an einigen Gräben vorbei, über welche Brücken führten. Ein paar von unseren Wanderern verschworen sich nun, niemanden ohne Kampf hinüber zu lassen. Ich wehrte mich heftig gegen ihre Angriffe, jedoch ehe ich mich versah, lag ich im nicht allzu reinen Graben. Bei meinem Sturze umfing ich Paula Korn sehr liebevoll, wodurch diese auch in nicht zu zarte Berührung mit dem Graben kam. Dies trug nicht zur Verschönerung ihres Kleides bei. Auf einer schönen Wiese spielten wir und schrieen uns für die ganze Woche aus. (Daß wir im Schreien tüchtig waren, kann Frl. Waltuch wohl bestätigen). Wir gingen nun nach Nußdorf, von wo wir unsere Heimfahrt antraten. Um 3A 2 Uhr langten wir glücklich zu Hause an. Diesmal mit der festen Ueberzeugung: Wenn jüdische Mädchen wandern, ist es immer schön. Hedad! Gisa Glatter, Wien. Eine lustige Wanderfahrt Es war gegen 2 Uhr nachmittags, als wir, unter der Oberleitung unseres Führers Ren6 Willard, abmarschierten. Die 20 Mann starke Abteilung wurde in 2 Gruppen geteilt, in die blaue und in die weiße. Ich wurde zum Führer der blauen, d. h. zu dem der größeren Partei, ernannt. Aber ich hatte das Pech, Wyler, unseren „Unbezähmbaren**, bei mir zu haben. Unser Programm war folgendes: Es sollte in dem nahegelegenen Tannenwald ein Geländespiel stattfinden. Unser Lager war in einer Lichtung, während sich die Feinde in den dichteren Wald zurückziehen durften. Wir hatten die Spielregel: Wird ein Vorposten z. B. von 2 Mann von einem feindlichen von 3 Mann überrascht, so muß sich der schwächere zurückziehen. Ich zog mit 3 Mann aus, um nach dem feindlichen Lager auszuspähen. Der Rest bildete mit den Rucksäcken das Lager. Wir zogen nun kreuz und quer durch den Wald, aber „Wie weit ich auch die Stimme schickt', *) Nichts Feindliches ward hier erblickt". *) Wenn man laut schreit, wird sich der Feind auch nicht sehen lasseh! F. R.