Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 8 (12.1914)
- Date
- 1914-12-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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18 BlaiFWeiß-Blätter lebt. Und Gott nahm ein Stück Erde und formte daraus einen Metischen, blies ihm eine Seele ein, so daß er gleich lebendig wurde, sehen konnte, hören, gehen und alles verstehen. Und Gott ließ alle Geschöpfe, die auf der Erde lebten vor dem Menschen vorüberziehen, um ihnen ihren Herrn zu zeigen und damit er ihnen Namen gäbe. Und Gott sprach zu Adam: „Alle Geschöpfe der Welt habe ich für dich erschaffen, und welchen Namen du ihnen geben wirst, den werden sie für alle Zeiten behalten." Da ließ sich der Mensch auf einem Berge nieder, und die Tiere marschierten an ihm vorbei. Da kam schweren Schrittes der riesige Elefant daher, und als Adam ihn sah, sprach er: „Er hat Ja eine lange Nase wie ein Elefant, so soll er auch Elefant heißen." Und bald wurde er so genannt. Dann kam der Löwe, stolz wie ein König, schüttelte seine Mähne und brüllte so mächtig, daß alles ringsherum erzitterte. Da sprach der Mensch: „Er brüllt ja wie ein Löwe, so soll er auch Löwe heißen" — und schon wurde er so genannt. Dann kam das Pferd im Galopp an. Es schnaubte aus den Nüstern und wieherte. Und Adam sprach: „Es wiehert ja und springt wie ein Pferd, so soll es auch Pferd heißen" — und bald wurde es so genannt. So führte Gott Adam alles lebendige Getier vor, und Adam gab allen Namen, die sie behielten bis auf den heutigen Tag. Eva Adam aber war sehr traurig und bange darüber, daß er so mutterseelenallein leben mußte. Das Verlangen nach einem Menschen wurde in ihm so mächtig, daß es ihn nicht mehr auf der Stelle hielt. Er machte sich also auf und zog in die weite Welt hinaus, um ein Geschöpf zu suchen, das ihm ganz ähnlich wäre. Und er wanderte und wanderte und ging Tag und Nacht, über Berg und Tal, konnte aber keinen Menschen finden; nur wilde Tiere, Vieh und Vögel begegneten ihm auf seiner Wanderschaft. Als er so eine ganze Weile in der Welt umhergegangen war, und noch immer keinen Menschen fand, fühlte er sich in seiner Einsamkeit tief unglücklich und wollte mit den Tieren Freundschaft schließen. Der Löwe und der Bär gefielen ihm aber nicht, weil sie so gewaltig böse waren, und er Angst hatte, das Böse von ihnen zu lernen. Der Ochse und die Kuh waren ihm aber zu dumm, so daß er sich mit ihnen gar nicht unterhalten konnte. Das Pferd und der Hund wollten ihm schon am besten gefallen, denn sie waren treu in der Freundschaft, und man durfte sich auf sie verlassen. Und so wurden sie auch gute Kameraden. Aber die Freundschaft mit den Tieren blieb nicht von Dauer, denn nie konnte er mit ihnen ein vernünftiges Wort reden, auch