Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- [1916]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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judäi'cher Fürsten schmückten. Jetzt klang schallender Lachen, lauter Jubel Trunkener: Gefangene trieb man herbei, israelitische Mädchen, schmucklos mit zerfetzten Gewändern; um bleiche Gesichter, die der Wiederschein der Feuer kaum rötete, hing blauschwarzes Haar, Blut klebte an ihren Wangen, die sie mit scharfen Nägeln zerrissen hatten, ihren Reiz zu bergen. Täppische Hände griffen nach ihnen» Spott und Hohn und Haß einten sich zu betäubendem Thor: „Singt uns «in Lied Eures Gottes, daß er Euch schütze, fingt uns ein Lied von Saul, Ihr Töchter Ephraims, daß er Euch rette!" Ioab hielt's nicht länger; Blut stieg ihm ins Antlitz; er, der Verbannte, fühlte sich eins mit seinem gedemütigten Volke, das ihn haßte, und deffen brennende Schmach er doch empfand, wie die eigene. Er durchbrach die raschelnden Zweige — ein Regen von Blüten hüllte ihn ein — und sprang mitten unter die Feinde. Es wich -er Lärm den» lähmenden Schreck; dann begann eine wilde Flucht; durch sterbende Feuer hasteten stolpernde Füße, und jetzt mehrten schrille Schreie, den Mord der Wache kündend, die Verwirrung. Schon schöpfte Asahel das köstliche Naß, schon mahnte Ioab zum Rückzug, da begann der Feind, der indes seinen Schrecken überwunden, allüberall anzudrängen. 'Wohl schlug Ioab in grimmer Lust Bresche in den Lanzen» zäun, wohl fehlte Naharai's Pfeil selten sein Ziel: da durchbohrte ein Spieß den Waffersack und die Schulter des Trägers; auf Asahels Rüstung glänzte Waffer und Blut. Eine spärliche Neige, ein paar Schluck nur, gerade genug für einen Mann blieben in dem durchlöcherten Schlauch. Das Wagnis war vergebens gewesen; so galt es wenigstens das Leben zu wahren. Immer grimmiger wurde der Kampf; Ioabs Helm klaffte, von seiner Stime rann Blut. Schwerter, Beile, Sperre zielten nach seiner Brust, ein tückischer Dolch blitzte in der Nähe: Naharai fing ihn mit dem Herzen auf. Da brüllte Ioab wie ein wilder Stier, mit der Linken riß er den warmen Körper des Knaben an fich, mit der Rechten bahnte er fich und dem wunden Bruder den Weg über stürzend« Feinde. Niemand verfolgte sie, als hätte der Schrecken Gottes die Philister geschlagen. Ein Pfeil fuhr zischend an ihnen vorbei ins Dunkel. Dann war es still. Ioab weinte. Der Leichnam, den er auf der Schulter trug, begann zu erkalten. An seinem Herzen fraß es wie Gift; er zürnte David, der die Not verschuldet und den rettenden Kampf gescheut hatte, wie dem Mörder seiner Freundes.