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Blau-Weiss-Blätter · 1916-01-01 · [1916] · page 25

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
[1916]
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
Belongs to
journal issue
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IRI
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und Träumen irrten meine Gedanken umher, tangsam stieg aus den Blättern des Buches die Gestalt der Helden empor, wie ich sie mir als Anabe geträumt hatte: Ragend und schlank die Figur, mit sehnigen Gliedern und einem scharfgeschnittenen dunklen Beduinengeficht. Doch — zwischendurch, da wollte immer ein anderes Bild mir begegnen und trug die Gestalt der bekannten Bar-Aochba Statue unseres berühmten Henryk Glicenstein. Breit und massig dehnt sich der Bar- Aochba-Riese vor meinen Augen, dem farnefischen Herkules vergleichbar, ein riesiger Frithjof, wie er die Fjorde Norwegens bewacht. Sollte ich diese Gestalt meinem Helden leihen? sollten Zuda Maccabi und Johannes von Giskala, sollten Saul und Zoab mir in der Gestalt eines Frithjof verkörpert sein? Da, da kommen auch die andern schon aus ihren Winkeln hervor, die Helden alle, mit denen meine Phantasie früher bevölkert war. Zuerst die „reisigen Degen" der deutschen Lage, der wehrhafte Dietrich von Bern, der grimme Hagen und der verwitterte hildebrant, Volker, der kühne Fiedler und die blond verleuchtende Zünglingsfigur des sterbenden Siegfried. Und dann die trikotgekleideten Ringkämpfer meiner Tmntanerzeit, wuchtigschwere Gestalten, und doch bald verdrängt von falkenäugigen, schwermütigen Mohikanerhäuptlingen, die dann dürren, kleinen Detektiven machten, von schmächtigem, kränkliche,n Aussehen und doch mit Bärenkräften versehen. Und alle die lieben Bekannten führten, einen wilden, gehässigen Reigentanz auf vor meinen schläfrigen Augen Wo bist Du, mein jüdischer Held? — Es wurde dunkler. Der Zug raste immer weiter und glitt tobend durch eine größere Station. Zn gezacktem Rot und Blau hing der wolkige Abendhim,nel mir zur Leite, und mit unnötiger Helle strahlten die Bogenlampen des Bahnhofs gegen den verdunkelten Horizont. Aus dem gelösten Reigentanz blieb einer zurück, Dietrich, der Gotenkönig, der männlich-stolze Typ des deutschen Helden .... Einer der stärkste,! Eindrücke meiner Aindheit war, als ich einmal eine Ballade las. Lie war wohl von Geibel: Eapri! Zn der leuchtenden Sommernacht, inmitten von tiefdunklem, funkelndem Blau, steht der irre, lebenssatte Tiberius auf den Zinnen seines weißen Marmorpalastes, und im Wahnsinn wirft er die schwere Arone in den dunklen Hof hinab, daß sie in klirrendem Getön aus die Fliesen rollt. Und unten, in der Schwüle der Sommernacht, steht ein blondbärtiger Germanenkrieger auf Posten und denkt an Frau und Kind, die er in den kühlragenden Heimatwäldern zurückgelaffen hat. Vor 22

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