Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- [1916]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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seine Füße rollt die glitzernde Aaiserkrone Roms, und sinnend hebt er sie auf und drückt sie an seine Schläfen. — Vier Bände hat der „Aampf um Rom", und doch habe ich sie in einer kurzen Woche gelesen. Fünf dicke Bände zählt Gustav Freytag's kulturhistorischer Roman „Die Ahnen", und ohne Ermüdung find die Schicksale der vielen Menschen vor meinen Augen vorübergezogen. Schwab's „Deutsche Lagen" und „Tooper's tederftrumpf", Aarl May und Sherlock Holmes, alle prägten einen neuen Typ des Helden in der kindlichen Phantasie. Dann wurde mit der Aindheit der Reigen geschloffen, und ich vergaß meine Helden. Nur Dietrich von Bern ist geblieben, der germanische Mann. Er war -er Stärkste. Geht es uns nicht allen so? Und langsam entwirrte sich wieder das irrende Träumen meiner Gedanken. Ich dachte näch, woher das wohl käme, daß ein ger-, ^nanischer Volkstyp unser Mannesideal .geworden ist. Ich fand es. Ich dachte an das bischen jüdische Geschichte, das man uns gelehrt hat, an das dürre jüdische Mittelalter, wo jeder Name zu einem Mann gehört, der zu seinen Lebzeiten ein berühmter Arzt und ein frommer Rabbiner gewesen ist und philosophische Werke geschrieben hat, deren Titel allesamt unverständlich und leicht zu verwechseln scheinen. An die trockne Lehrmethode dachte ich, die es uns gestattete, die paar Männer, die für Tnartanerherzen noch einen leisen Grünte zur Bewunderung boten, in unsere fertige Schablone zu pressen. Und Dietrich siegte! Ich habe mir damals geholfen. Ich wollte Farben haben, um neue Bilder zu malen, und ich lieh mir auch diese Farben aus Büchern, aus jüdischen Büchern. Ich war nicht wählerisch darin. Dhne Einheit und ohne literarisches Runstempsinden hatte ich sie mir zusarnmengestellt. Georg Ebers, der deutsche Historiker, und der jüdisch-orthodoxe Journalist John Lehmann, Disraeli, der englische Jude, und der evan< gelische j)astor Ernst Trampe, sie find wirklich nicht gleich, sie sprechen nur alle von jüdischen Helden. Da wurde sie mir lebendig, die alte vertrocknete jüdische Geschichte, und die dürrsten Geschichtstabellen gewannen Farbe und Leben, und hinter jeden: Namen stand ein Sil6* und jedes Bild hob sich ab von dem leuchtenden Untergründe der Zeit. Zwar nicht gleichmäßig hell stand die vergangene Zeit vor mir auf. Wenn ich die rauschende Ouvertüre zu den „Juden von Zirndorf" las, war es anders, als wenn Iofelin von Rosheim, „der große Befreier" zu mir sprach. Sie waren nicht gleich die Bücher, Verschieden in ihren Farben, bald hell, bald dunkel, bald hart und