Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- [1916]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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mußten alle Einwohner auswandern; mitten im strengsten Winter find fie in offenen Magen gefahren; denn so gut man es mit ihnen meinte, es war so schwer für die Regierung das nackte (eben der armen Leute zu reiten. Mojsche und alle andern Kinder, die zu uns kamen, hatten in ein paar Wochen mehr mitgemacht, als wir hier wahrend des ganzen Krieges. Und dann kam noch etwas. Mojsches Mutter wurde krank, mußte ins Krankenhaus gehen; da kümmerte sich der Vater selbst um den Jungen, und es war ihm garnicht recht, daß Mojsche spielen lernte Hei ES. Spielen kann jedes Kind ohnehin, das braucht es nicht zu lernen. Er soll doch bald hebräisch lesen und schreiben können, darum wurde er in den Theder geschickt. Lange Zeit kam er nicht zu uns. Wir Hörterz nichts von ihm und hatten ihn fast vergessen. Da — eines Tages klopfte es an die Tür. Draußen stand ein Mann mit langern, schwarzem Bart und strengem, finsterem Gesicht. Er schob einen Jungen herein, unseren Mojsche! Er gibt keine Ruh', so soll er halt wieder hergehen; ich hab's gewußt, er wird mir noch ein ^Datsch" werden." Er wendet sich; ohne Gruß geht er fort. So schwer ist es dem armen Mann geworden seinem Jungen die Freude zu machen. Er will es nicht glauben, daß Kinder herum» springen und lustig sein dürfen. Thora lernen, ein anderes Vergnügen darf der Mensch nicht haben, meint er. Denn er hat auch nichts anderes gekannt und sein Vater und Großvater auch nicht. Aber Mojsche, der hat es einmal gesehen, und er wird anders werden; vielleicht nimmt er auch etwas mit nach Hause von der Freude an -er Freiheit, an Spiel und Lied. Prag Grete Dbernik Der jüdische Held Es war gegen Abend, als ich in Heidelberg in den Zug stieg, gerade als die letzten Strahlen der untergehenden Sonne auf die grünen Bergen des Gdenwaldes fielen. — Eine lange Fahrt lag vor mir, und so holte ich allmählich die Bücher hervor, diich mir vorsorglich für die Reise hatte znstecken lassen. Das erste Buch bald^ das ich ergriff, war das Bnchdrama „Bar Kochba" des jüngst verstorbenen Tschechen vrchlitzk?, das ich vor Zähren schon einmal gelesen hatte, und während draußen die verdämmernde Landschaft vor* deiraste, durchblätterte ich nachdenklich die Seiten. Zwischen Wachen ii