Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- [1916]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Harzwanderung entdeckte, daß das Blättergrün eigens zur Schonung des nrenschlichen Auges geschaffen sei. Das Wissen des Wanderers von der Landschaft wird nicht wie toter Gedächtniskram aus Büchern erworben. Das muß Selbsterlebtes, Selbstgeschautes und darum um so reicheres geistiges Besitztum werden. Darum hat es mich auch nicht gewundert, daß man von euch Jangens bisher wenig Fahrtenberichte las. Auch ihr seid begabt »mit gemütvoller Naturbetruchtung; aber welchem jungen widerstrebt es ansangs nicht, darüber zu schreiben? Gewöhnt euch diese Verschlossenheit, die über innerstes Grieben schweigt, nicht erst ab. Es gibt soviel anderes von Fahrten zu erzählen, wenn man nur die Natur liebevoll betrachten, wenn man nur sehen gelernt hat. Berlin herbertLngel Winterfahrt Zu Fünfen zogen wir fort, losgelöst vom Tage; sogar die Zeit hatten wir zu Hause gelassen, denn keiner halte eine Uhr. Zn Bernau begann die Wanderung, und bald waren wir im herrlichen Forst. Alles war weiß. Die Bäume hatten ihre Aeste weit ansgebreitet, um bern fallenden Schnee einen freundlichen Aufenthalt zu gewähren. Der hatte die Höflichkeit benutzt und sich gleich in dichten Wolken niedergelassen. Wir nahmen die Schönheit so hastig und begierig auf, als fei sie ein Wunder, das sofort verschwinden könnte. Aber das Wunder blieb und wurde nur immer größer. Wir kamen an den Liepnitzfee. Ringsherum weiße Bäume. Und drunten im See dasselbe Bild noch einmal. Wo die Ufer einander näherkamen, da harte das Lis vom Rande angefangen zu bauen. Wie mit einem Messer abgeschnitten streckte sich seine scharfbegrenzte Fläche nach der Mitte. Das viele Schauen wurde unterbrochen durch einen heiteren Zwischenfall, der unserem Drang zu übermütiger Betätigung zu seinern Recht verhalf. Wir entdeckten im Wasser einen Stiefel, den wir angelten und auf dem Wege so eingruben, daß er wie das Bein eines Mannes aus dem Schnee hervorsah. Dann gings weiter auf einsameu, schmalen Waldwegen.» Und hier lag der Schnee so zart und unberührt, daß es uns fast eine Sünde schien, ihm unsere Spuren einzudrücken. Mitunter strebte ein belastetes Bäumchen im sanften Schwünge zu fernen Rameraden auf der anderen Seite des Weges. Begegnete ihm ein anderes von drüben, so wurde ein herrlicher gotischer Bogen daraus.