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Blau-Weiss-Blätter · 1916-01-01 · [1916] · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
3 (1915-1916)
Issue
[1916]
Date
1916-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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An manchen Baumen hing es wie weiße Trauben. Wir warfen Schneebälle danach und freuten uns, wenn ein feiner Spühregen herabkam, und der befreite Ast hochschnellte. So wanderten wir stundenlang weiter, aber immer erschien der Wald anders, herrlich sah es aus wenn die hohen Aiefern von einer Seite beschneit waren. Dann zeichnete sich von weitem ihr Seitenbild mit einer leuchtenden, Hellen Linie. Nachdem wir uns sattgesehen, kamen wir abends ins Trrartier. Nach dem Essen saßen wir noch eine Stunde beisammen und lasen vor dem" Schlafen ein schönes Märchen. Am nächsten Morgen zeigte es sich, daß es doch nicht richtig ist, die Zeit zu verachten. Denn da wir ohne Uhr waren und nicht geweckt wurden, erhoben wir uns nach gesegnetem Schlafe erst sehr spät. Diesmal führte uns der Weg über weite Strecken Heide. Soweit das Auge trägt nichts als weiß. Auch der Himmel strahlte weiß wieder, und es gab keine Grenze zwischen ihm und der Erde. Wo das Gelände nicht eben war, da prägten sich die Formen der schlummernden Erde unter der warmen Decke aus, und die Schneefläche war sanft geschwungen. Als wir wieder in den Wald kamen, winkten die Wegweiser noch verträumt, obwohl die Sonne schon hoch am Himmel .stand— Lie sahen wohl selten jemand und freuten sich, einmal Nützlich zu sein. Mit ihrer Hilfe kamen wir denn auch abends ans Ziel und lasen im freundlichen Gasthof unser Märchen weiter. Es war wie eine Fortsetzung unserer Wanderung — in noch viel wunderbarere Gefilde. Der dritte Tag zeigte uns das Aloster Ehorin, wo die Sonne auf schneebedeckten Dächern und Lpheu nmrankten Spitzbögen spielte. Da geschah uns etwas Merkwürdiges. Dicht an dem Aloster, zugleich mit den herrlichen Bogenfenstern himmelanstrebend, mit stolzem Stamme ßand ein ausländischer Baum. Bewundernd machten wir vor ihm halt, aber keiner von uns kannte ihn. Da entdeckten wir ein Schildchen: es war eine Zeder. Wir sahen uns an. Und Freude erfüllte uns, daß unser Baum so schön ist. — Auch der dritte Tag ging schnell zu Lude. Wir fuhren nach Hause, um bald von neuem in den Wald hinauszuziehen. Der ist ja unsere wahre Heimat. Berlin Bernhard Bartfeld

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