Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 3 (1915-1916)
- Issue
- [1916]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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vorlugten, schwere Roggenähren geworden find? Wie dort, wo jetzt die Kartoffeln blühn, der Bauer die Furchen gepflügt hat? habt ihr ein Urteil über den Stand der Ernte? Könnt ihr mit Bauern etwas sachlich über ihren Beruf reden? Gder halten sie euch, trotz Rucksack und Klampfe, für „dumme Stadtleut'?" Auch im Wald, Gebirge, am Wasser seht euch fleißig um. Die Aelteren mögen in den Bergen den gestaltenden Kräften nachfinnen, die unsere Erdoberfläche so verschiedenartig gebildet haben, die Eigenart des malerischen Gebirges im harz betrachten, in der Sächsischen Schweiz den abbauenden Einfluß des Elbwaffers erkennen, sehen, wie auf verwittertem Fels Moos und niedere j)flanzen den Humusboden für spätere Felder vordereren. Belauscht das Leben im Walde, wie der Förster sein Revier hegt, der Fischer Netze und Reusen legt. Kurz, meidet nicht immer die Menschen, wie die Wanderer, die nur die Einöde suchen. Wo gibt es in Deutschland heut überhaupt eine Landschaft, die nicht Spuren der Kultur, d. h. menschlichen Anbaus zeigt? Seht euch getrost das Treiben in den Dörfern genauer an. Von „Sitten und Gebräuchen" werdet ihr ja wenig bemerken, ihr müßtet gerade einen hochzeitszug oder gar einen Tanzbären treffen. Aber beachtet in verschiedenen Landschaften die Eigenheiten des Hausbaues: Schwarzwälderhaus und polnische Lehmhütte. Nicht alle find langgestreckte Fadendörfer wie unser liebes Drewitz; bei den Wenden gibt es kreisförmige Rundlinge, im Hochland Dörfer mit ganz zerstreuten Siedlungen. Alles, was das Volk gestaltet, Hauszierrat innen und außen, Wirtshausschilder, Trachten, alles wird euch die Mannigfaltigkeit der deutschen Landschaften und Stamme vor Augen führen, habt ihr die Verschiedenheit im Kirchenbau schon beachtet? Das niederdeutsche Holz- Archlein, zuweilen mit einzeln stehendem Turm, das im Sächsischen so oft wiederkehrende Vorbild des Magdeburger Doms. Gft läßt schon der Baustoff auf die Landschaft schließen. )n den Bauten Heidelbergs findet ihr den roten Buntsandstein des Ddenwaldes wieder. In der rauchgeschwärzten Frauenkirche und anderen Dresdener Bauwerken den Sandstein der pirnaer Steinbrüche. Ans den schwer zu bearbeitenden Findlingsblöcken von Granit wurden die breiten, wuchtigen Tore unserer märkischen Städte aufgeführt. — Da habe ich euch nur wenige Einzelheiten vom Reichtum der Landschaft gezeigt. Auf all dies richtet mehr als bisher euer Augenmerk. Aber raubt euch und andern nicht durch solche „Studien" den Genuß des Augenblicks so wie Heines Reisegefährte, der auf der-