Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 7 (10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 Blau-Weiß-Blätter noch eine wichtige Rolle auf unserer Wanderung spielen. Kaum waren wir weiter, gefahren, als sich in. unserem Abteil ein Wanderbuch der Mark Brandenburg vorfand, das .offenbar den ebenerwähnten beiden Wanderern gehörte. Nach einigen - Erwägüpgen beschlossen wir, es in Joachimstal dem Bahnvorsteher zu geben. In Jöachimstal entledigten wir uns dieses Gegenstandes und marschierten voll Mutess tind jüdischen Selbstbewußtseins in die , frische kühle Morgenluft hinaus. Während der kleinen Unterhaltungen verging die Zeit sehr schnell; und wenn 4 Mann in einer Reihe im Takte marschieren, können sie. schon in kurzer Zeit ein gutes Stück vorwärts kommen Das taten wir nun auch und gelängten an den berühmten Werbellinsee. Wir kamen an großen Holzlagern vorbei und machten: an einer schönen schattigen Stelle des Sees Halt; dort hielten wir unser erstes Frühstückslager ab. Plötzlich ertönten hinter unserm Rücken einige Schusse des wunderbaren Kriegsspielrevolversi die sich zum Entsetzen sämtlicher Wanderer und zur namenlosen Wut eines Dackels und eines Försters wiederholten. Nach beendeter Rast setzten wir unsern Weg fort, der dadurch für uns und alle Vorübergehenden von Reiz war, daß er mit Gesang begleitet wurde. So gelangten wir nach langer Wanderung am Werbellinsee und nachher durch Laubwald zum Schloß Hubertusstock. Außer ... zig Geweihen von . zig Endern und einigen „gut bürgerlich eingerichteten Zimmern" und einem „Teehäuschen", wie es Herr Haase narinte, ist nichts besonderes zusehen. Nach der Besichtigung marschierten wir durch die Schorfheide nach dem südlichen Ende des Werbellinsees, um bei Wildau auf die östliche Seite des Sees zu gelangen. Doch ein kleiner Zufluß des Werbellinsees hatte keine Brücke, und so konnten wir nicht hinüber. \yir gingen daher solange den Fluß aufwärts, bis er sich bequemte, bei. Eichhorst eine Brücke zu haben. In der Mittagshitze wanderten wir dann 'durch den schattigen Laubwald immer in der Nähe des Sees bis Altenhof, #o wir unsere Mittagsrast machten. Da Ihr, liebe Wandrerinnen und Wanderer, mit Berichten über die Mahlzeiten genügend versehen werdet, so will ich von dieser Rast nichts als die dicke Qualmentwicklung beim Kochen verraten. Darauf gingen wir zur Post und trafen die 29 Jungs mit ihren 3 Lehrern und auch die beiden Wanderer, denen wir sagten, wo wir ihr obenerwähntes Wanderbuch gelassen hätten. Wir gingen dann in den Wald, um noch ein kleines Mittagsschläfchen zu halten. Kaum aber lagen wir eine Stunde, als ein allgemeines Stimmengewirr hörbar wurde, das von den an uns vorüberziehenden 29 Jungs mit ihren 3 Lehrern herrührte. Nach einer Weile erhoben wir uns wieder und marschierten bis gegen Abend nach Golzow. Wir gingen durch Golzow und trafen auch hier wieder die 29 Jungens mit ihren 3 Lehrern. Zu unserem Glücke übernachteten sie dort. Wir gingen noch in tiefster Finsternis ohne Mondenschein durch den Wald und gelangten um 8 Uhr nach Chorinchen, wo wir unser Abendbrot verzehrten und übernachteten. Am nächsten Morgen weckte uns ungefähr um 8 Unr ein Konzert, aus^ geübt von Hunden, Katzen, Kühen, Pferden, Schweinen, Hühnern, Enten, Gänsen, Tauben, Truthähnen und -nennen jmd vielleicht noch andern Vögeln. Wir tranken Kaffee, bezahlten unsere Zeche und zogen in der kühlen Morgenluft und durch Nebel weiter. Wie schön sähen die kleinen Tannenbäumchen aus mit ihren Spinnenweben, auf denen viele kleine Tautröpfchen im Lichte der Sonne silbern erglänzten. Nach kurzer Zeit kamen wir zum Kloster Chorin und trafen wieder einmal die 29 Jungs mit ihren 3 Lehrern. Nach der Erklärung unseres Führers bewunderten wir alles an der Klosterruine und marschierten weiter. Wir hofften jetzt, unsere Mädchen mit Frl. Henschel zu treffen -r diese machten die Wanderung umgekehrt, hatten uns aber verfehlt Gegen Ii Uhr vortnittajrs; kamen wir nach Liepe, bogen aber ab, um uns die noch im Bau befindlichen Schleusen bei Niederfinow anzusehen. Wir ließen, uns alles erklärten und kamen dann wieder nach Liepe zurück. Dort wurde Frühstückstasi gemacht. Hierauf marschierten wir durch das endlose Dorf hindurch. Hier fangen schon die gewaltigen Holzflößereien an, die sich sehr weit hinziehen. Gegen 2 Uhr kamen wir — von Liepe aus immer Chaussee —r nach Oderberg, wo wir wen trafen? .29 Jungs. mit 3 Lehrern, und