Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 7 (10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-WeißrBlätter Wir wollen aber auch Jude werden, denn nur als Jude und unter Juden können wir ohne Vorbehalt unser Ureigenstes offenbaren— vorbehaltlos, doch nicht rücksichtslos! Gegenseitige Achtung und Schätzung soll uns, den Grundton geben.. Wir wollen kräftig und gewandt werden, Kraft und Gewandtheit verbürgen den Menschenstölz, und stolz dürfen wir sein, denn wir sind Juden. Ihr seht, wir wollen, was Ihr wollt, und darum nannten wir uns auch nach Eurem Namen. Wie wir unseren Willen durchsetzen, und was wir bis jetzt getan haben, das werden wir Euch in den kommenden Blättern im Einzelnen verraten. Leon Rueff, Mühlhausen Von Fahrten und Rasten Für unsere neuen Wanderfreunde aus Mühlhausen muß ich es wiederholen, daß die Spalte: „Von Fahrten und Rasten" für euch Wanderer und Wandrerinnen selbst bestimmt ist. Hier sollt ihr über eure Erlebnisse auf Wanderungen berichten. Dasselbe muß ich eigentlich auch den Wienern noch einmal sagen! Ihr habt schon lange nichts von euch hören lassen! Alle Berichte müssen mit dem Namen unterschrieben sein. Einen sehr schönen Bericht einer Breslauer Wandrerin kann ich erst drucken, wenn sie mir ihren Namen verrät.^ F. R. Eine Wanderung von Joachimstal nach Fr ei enw a 1 de Am Morgen des festgesetzten Tages, um V46 Uhr, früh nahm ich meine» Rucksack und zog in die noch schwarze J^acht hinaus dem Stettiner Bahnhof entgegen. Da die elektrische Straßenbahn genau nach Osten fuhr, sq bot sich mir ein in Berlin von gewöhnlichen Sterblichen selten gesehenes Schauspiel. Ganz weit im Osten, am Ende des Horizonts tauchte plötzlich ein heller Streifen auf, der in mattem Gelb vom Dunkel des Himmels abstach. Er wurde dann dunkler und schließlich feuerrot, während sich nach oben hin die Farbe des Horizonts allmählich abstufte, zunächst gelblich, dann weißlich, weiter nacri ^oben ein matt hellblaues Licht und im Westen ein unbestimmtes Dunkel. Dieses würde schwarz gewesen sein, hätte nicht Berlin durch seine hell erleuchteten Straßen den Himmel bestrahlt. Einzelne große Sterne standen noch; am HimmeK Doch wer einen solchen Morgen beobachtet, hat, wird gesehen haben, daß bei der sich immer weiter ausbreitenden Morgenröte das Licht der Sterne vollkommen überstrahlt wird; Daher verschwanden diese bald, das heißt, sie waren für unsere Augen nicht mehr sichtbar, und nun brach der Tag an. Die Luft war. kühl, und Ihr könnt Euch denken, daß ich, während ich den Tag heraufkommen sah und auf Wanderer und Führer wartete — ich war sehr zeitig am Treffpunkt —, kalte Füße bekam. Nachdem ich nun unsern Pfiff in und vor dem Bahnhof mehrere Male vergeblich hatte ertönen lassen, fanden wir „Blau-Weiße" uns endlich zusammen. Nach der Berappungs- und Vorstellungsarie bestiegen wir ein Frauenabteil 4. Klasse, aus dem. wir mit aller Freundlichkeit vom Schaffner wieder herausgeschmissen wurden. Wh? brachten uns also anderswo unter und fuhren nach Joachimstal. Zu erwähnen vergaß ich, daß wir mit dem Führer Haase 4 Mann, waren. Also eine Station vor. Joachimstal in Werbellinsee stiegen aus/ unserm Abteil 2 Wanderer und aus irgend einem anderen 29 Berliner Jungen tmt 3 Lehrern aus. Diese Horde sollte