Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 7 (10.1913)
- Date
- 1913-10-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Blau-Weiß-Blätter Dämmerung die Bergwände hinauf. Jetzt war es ganz dunkel. Da flammte es auf, hier und dort und nun auf allen Kuppen ringsum bis zu den hohen, fernen Bergen am Bodensee. Wir aber staunten über soviel Schönheit und freuten uns eines Volkes; das sich so in seiner Geschichte zu ehren weiß. Und unvermittelt begannen wir von unserem Volke zu sprechen, das heimatlos über die Erde irrt und seine Helden zu vergessen beginnt. Unsere Gedanken aber klammerten sich an das Stückchen Boden fern im Süden, wo uns ein neues Geschlecht heranwächst, dem die Zukunft gehört. Und freudig grüßten wir die Flammenzeichen, die eines fremden Volkes Stolz und Hoffen zum Himmel trugen, mit der Hatikwah, dem Kampflied unserer erwachenden Nation. Karl Glaser, Berlin Ein neuer Jüdischer Wanderbund „Blau-Weiß" Ich glaube, die wenigen Zeilen, die mir kurz vor Schluß, der Redaktion zur Verfügung gestellt werden, -nicht besser verwerten zu können, als wenn ich Euch, liebe Wanderfreunde, den neuen Eindringling in Euren friedlichen Kreis vorstelle. Wer sind wir? und was wollen wir? Wer S}nd wir? Wir sind junge Mühlhauser Juden, über 50 an der Zahl. Sehr wenig, werdet Ihr sagen, und Ihr habt Recht; denn noch viele fehlen uns. Aber unser Bund ist jung, er wird wachsen. Haben wir ja alle Mittel, ihn frisch und kräftig zu machen in unserer von der Natur gesegneten Länderecke. Wir haben Berge und Täler in mannigfaltiger Abwechslung, uns locken Vogesen, Schwarzwald und Jura. Wir sind bis jetzt auch nicht widerspenstig gewesen, seit 6 Monaten ziehen unsere Scharen hinaus in zwei Gruppen. Von 11 —15 Jahren gehören unsere Wanderer der jüngeren Grjuppe an. Jeden Sonntag durchstreifen sie, von zwei Führern begleitet, in freudiger Begeisterung Wiesen und Felder von Dorf zu Dorf. Von Müdigkeit wird nichts verspürt, und mag der Weg auch erst nach vielen Meilen sein Ende finden. Gemeinsames Abkochen und anschließendes Fußr ballwettspiel ist aber auch immer der Lohn für unsere wackeren Jungens. Mit 16 Jahren nimmt unsere „ältere" .Gruppe die Wanderer auf, soweit sie nicht vorziehen, bei den Jüngeren zu bleiben. Sechs- bis acht-, auch schon zehnstündige Touren haben unseren Senioren eine leise Ahnung vom beglückenden Gebirgsleben verschafft.. Daß sich * dieses Ahnen bis zur Sehnsucht steigern möge, das ist unsere Hoffnung. Was wollen wir? Wir wollen frei und natürlich werden, wir. wollen uns loslösen von allen Zweckgedanken, wir wollen glücklich sein, ohne ZiWang nnd ohne Zweifel.