Mannheim
Compact Memory

Blau-Weiss-Blätter · 1913-10-01 · 7 (10.1913) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1913-1914)
Issue
7 (10.1913)
Date
1913-10-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2425321-3181675-3181682--0090-3181875
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

4 Bläu-Weiß-Blätter sich möglichst behaglich einzurichten, — ja Schließlich wußte man sein Läger so geschickt herzustellen, daß man sich sogar der Kleider entledigen konnte, ohne zu frieren. Freilich unsere galten Herren",' an der* Spitze der Doktor, standen selbst der besten Scheune, dem saubersten Stalle mit weitgehendstem Mißtrauen gegenüber. Auf rätselhafte Weise wußten sie selbst in den verlorensten Nestern Zimmer und Bett aufzutreiben. Der Führer durfte natürlich sein Volk nicht verlassen. Wenn alles glücklich untergebracht war, hüllte auch er sich in seine Decke und bewies (wie böse Menschen sagen) durch kräftiges Schnarchen seinen beglückten Untertanen, daß es für ihn einen Unterschied zwischen Daunen und Stroh nicht gab. 11 Einige Nächte verbrachten wir im Freien. Zelte hatten wir nicht. Einmal fand sich zur rechten Zeit ein offener Heuschober. Da kroch man hinein und duselte einige. Stunden, bis man gegeweckt wurde, die Wache abzulösen. Brrrr... Die Nacht war kalt und dunkel, irgendwo leuchtete ein Glühwürmchen, von der nahen Landstraße kamen unheimliche Geräusche. Fester umspannte die Hand den Griff des Beiles. Man dachte an verschollene Indianergeschichtenv Freilich gab es Pflichtvergessene, die auf Posten einschliefen. Die Betreffenden waren am nächsten Morgen Gegenstand allgemeinen Neides. Viel romantischer noch verlief die 'letzte Nacht unserer Fahrt. Aus dem Pavillon oben auf dem Herzogenhorn hatten uns Sturm und Kälte vertrieben. Später fanden wir eine leidlich geschützte Lichtung mit einer kleinen Hütte im Hintergrunde. Holz war in Hülle und Fülle vorhanden; bald brannte ein tüchtiges Feuer; ein großer Topf Kakao sollte uns das Abendbrot ersetzen. Indessen hatten einige von uns versucht, Einlaß in das Haus zu finden. Sie klopften und riefen; wohl raschelte es drinnen, aber niemand öffnete. Nach einigen vergeblichen Versuchen kurzerhand einzubrechen, legten wir uns wütend über die Ungefälligkeit oder Feigheit der Bewohner möglichst nahe an die Flammen, zogen die Decke über den Kopf und versuchten einzuschlafen. „Wos ist denn dos? Wer seid denn Ihr rV' Erschrocken sprangen wir auf. Unsere Flamme beleuchtete zwei bärtige, wenig vertrauenerweckende Kerle, die übrigens noch mehr Angst vor vins zu haben schienen, als wir vor ihnen. Jedenfalls traten sie erst näher, als wir wiederholt beteuert hatten, wir seien harmlose Touristen. Die vermeintlichen Räuber waren Hirten und Eigentümer der Hütte, vor der wir lagen. Während wir uns wieder zur Ruhe legten, gingen sie in das Häuschen hinein* um drinnen die Nacht zu verbringen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.