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Blau-Weiss-Blätter · 1913-10-01 · 7 (10.1913) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1913-1914)
Issue
7 (10.1913)
Date
1913-10-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Blau-Weiß-Blätter Daß trotzdem Fälle von Widersetzlichkeit vorkamen, ist doppelt zu bedauern. So ungezwungen sonst der Verkehr zwischen Führer und Wanderern war, hier mußte fest zugegriffen werden. Im allgemeinen kam's ja selten vor. Dennoch beweist es, das nicht immer der echte „Hordengeist" bei uns geherrscht hat. Der „Wandervogel" hat es leichter.. Bei uns deutschen Juden ist, wie vieles Andere, auch das Gefühl der „Gemeinbürgschaft" schwach geworden. Starker Wille und rastlose Arbeit an uns selbst muß wieder schaffen, was Generationen vor uns verloren. ,; ■ 9 Die Gegend, durch die wir zogen, ist schön und unbekannt Bis auf weiteres reist „man" noch nicht in die schwäbische Alb oder nach dem Hegau. Nur auf Rothenburg stürzt sich der internationale Touristenschwarm, nistet sich dort auf einige Tage ein und bringt allen Spleen und alle Unruhe der großen Welt in das kleine Städtchen ob der Tauber. Da wird jeder Stein photographiert, jede Scheune gezeichnet, jedes Gäßchen gemalt. Und das häufigste Wort zwischen dem Plönlein und dem Burgtor ist das gewohnheitsmäßige „Very fine, indeed" der grünbeschleierten Misses. Seitdem vor 5, 6 Jahren der^ Massenbesuch einsetzte, hat Rothenburg viel von seiner Schönheit verloren. Diese Städte, diese Burgen vertragen zu lautes Lob nicht. Still und selbstverständlich fügen sie sich der Landschaft ein. Die hohen, roten Giebel der kleinen Häuser sind mit Moos bewachsen, an den trotzigen Mauern rankt der Efeu, in der geborstenen Wand des uralten Stadttors wurzelt eine knorrige Weide ... So ist Dinkelsbühl, so sind hundert Flecken und Dörfer, die von unserer Zeit nichts wissen und für die der KgL Württembergische Postwagen und der „Schwäbische Anzeiger" die einzige Verbindung mit der Außenwelt bedeutet Es wird, gottlob, noch lange dauern, bis man uns in Berliner Salons bestätigen wird, daß die Burg auf dem Rechberg und der Marktplatz in Weckerstein mit dem hochmütigen Hohenlöheschlosse im Hintergrund freilich unvergeßlich bleiben. 10 Da wir nach Möglichkeit nur auf dem Lande um Unterkunft baten, hatten wir meist, recht gutes Quartier. Schnell war die Scheune oder der Stall gerichtet, bereitwillig griffen die Knechte des Gutsherren zu, breiteten das Stroh über den Boden und versorgten uns mit Decken und Kissen. Jeder Versuch sich erkenntlich zu erweisen wurde freundlieh aber bestimmt abgelehnt: Dank braiicht's nit. Nach * ein oder zwei Nächten hatten sich die meisten art die ungewohnte Schlafgelegenheit gewöhnt. Bald lernte man es,

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