Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 6 (9.1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 Blau-Weiß-Blätter ^andkarte konnten wir uns nicht zurechtfinden, da sie schon zu alt war. Endlich, nach langem Suchen, fanden wir die West- )rücke der Briese, die Ostbrücke gab's überhaupt nicht. Wir setzten uns auf das Brückengeländer und ruhten uns von dem langen Marsch aus. Einer der Kameraden wollte nach einem Würmchen greifen, und purzelte dabei, wurde aber zum Glück durch eigenes Festhalten von einem kühlen Bade in der Briese verschont Wir wollten gerade anfangen auszupacken, da wurden wir mit lauten Hedadruien überrumpelt; aber wir hatten keine Verluste mehr, da ohnedies fast alle von unserer Partei durch das Streifen der Bäume die Bänder verloren hatten. Jetzt kochten wir gemeinsam ab; nach dem Essen verkürzten wir uns die Zeit mit allerhand Spielen. Nach dreistündiger Rast brachen wir auf und gelangten auf einem schönen Waldweg, an der Elsenquelle vorbei, wieder nach Birkenwerder. Herbert Imbach, Berlin. Ei n trFa h r t bei Mondschein u. bei Sonnenschein Als ich am 13. September abends den Kopf zum Fenster heraussteckte, bemerkte ich zu meiner größten Freude, daß der Himmel ganz klar und hell vom Monde beleuchtet war. Voll froher Zuversicht eilte ich daher schnell zur Qröschelbrücke, dem gemeinsamen Treffpunkt, wo ich meine Wanderfreunde traf, und von wo wir unter Führung von Marcus um 81/* Uhr aufbrachen. Unser Ziel war Hennigsdorf, wo wir auf dem Gute des Herrn Rittergutsbesitzers Cäsar Sachs die Nacht, oder wenigstens das, was von ihr noch übrig blieb, zubringen wollten. Unter frohen Gesprächen und Gesängen wanderten wir lustig auf der Landstraße vorwärts. Der Mond schien ungewöhnlich hell, sodaß die Dunkelheit der Nacht ganz bedeutend herabgemindert wurde. Wie Schatten erschienen uns die Bäume zu beiden Seiten der Straße; überall am Horizont verkündeten Lichter die Wohnungen der Menschen. Es war eine wunderbare Stimmung. Aber der Wandrer ist ja auch Praktiker: so zeigte uns denn Marcus, wie naran ^mft Hilfe der Gestirne die Himmelsricbiuegen feststellen kann: der Kompaß bewies die Richtigkeit. Ueberhaupt beschäftigten wir uns auch etwas mit Astronomie. Hin und wieder begegnete uns ein Radler, ein Wagen oder — leider — ein Auto. So marschierten wir durch Rosenthal, Leipe, Petersdorf* Weidenhof und Schebitz. In Haasenau teilten wir uns: die eine Partei unter Neumann sollte auf der Chaussee schnellstens unser Nachtquartier in Hennigsdorf zu erreichen suchen, um es gegen uns, die zweite Partei, zu verteidigen. Marcus führte uns zunächst einen Seitenweg, aber nur, um die „Feinde** zu täuschen; sobald sie uns nicht mehr sehen konnten, kehrten wir um und gingen ihnen auf der Chauseee nach. Schon waren wir in Hennigsdorf angekommen, als plötzlich nahe vor uns der VJ.St.er-Pfiff ertönte, dem bald der Wandrerpfiff antwortete. Sofort gingen wir vorsichtig im Straßengraben zurück. Dann beschlossen wir links abzubiegen und das Dorf und das Gut zu umgehen, natürlich mit aller Vorsicht. Aber diese Vorsicht war nicht nötig: da an der Rückseite des Gutes kein Posten stand, drangen wir mühelos in den Hof ein. Nach wenigen Minuten trafen wir die andere Partei in Gesellschaft eines speerbewehrten Nachtwächters, der uns unser Lager anwies. Marcus. Doctor, Goldschmidt und ich aber nützten die wunderbare Nacht aus und gingen, obwohl es schon früher Morgen war, noch ein halbes Stündchen spazieren. Dann legten auch wir uns nieder. Schon um V26 standen wir wieder auf und kleideten uns an. Herr Sachs lud uns zum Kaffee ein. was wir durchaus nicht ablehnten. Unser freundicher Wirt erkundigte sich nach unseren Bestrebungen und freute sich sehr, laß Juden zeigen wollten, daß sie allein ebensoviel leisten können wie die mderen. Sowohl er wie seine Gattin wollten nicht glauben, daß wir Großstadtjungen seien. Nach dem Frühstück zeigte uns Herr Sachs seinen Park» seine