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Blau-Weiss-Blätter · 1913-09-01 · 6 (9.1913) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1913-1914)
Issue
6 (9.1913)
Date
1913-09-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Biaa-Weift-Blattef Brennerei und die mächtigen Viehbestände. Nachdem Doctor noch das Schloß mit unseren Wirten und uns geknipst hatte, dankten wir für die freundliche Aufnahme und hervorragende Bewirtung mit einem kräftigen Hedad und zogen mit Gesang zum Tor hinaus. Zunächst gingen wir auf der Chaussee nach der Kolonie Raake; von dort wanderten wir an der Oder stromaufwärts weiter. Furchtbar brannte die Sonne; noch furchtbarer waren die Unmassen von Mucken. Bei Peiskerwitz ließen wir uns über die Oder setzen. Zwischen prächtigen Laubwäldern wanderten wir auf dem Oderdamm auf Sandberg zu, um von dort mit dem Dampfer nach Hause zu fahren. Aber ach, wir kamen gerade zurecht, um den Dampfer abfahren zu sehen. Nach einer kurzen Rast eilten wir nach Herrenprotsch, von wo wir mit dem Zuge um 3/4l nach Breslau zurückfuhren. Auf dem Hauptbahnhof trennten wir uns mit einem herzlichen Schalom, nachdem wir uns vorgenommen hatten, unsern Hennigsdorfer Gastfreunden bald einen Dankesgruß zu schreiben/) Walter Deutschmann, Breslau. Vom Heimabend der Wanderer am 17. 9. 13. Der letzte Heimabend, der nur für uns Wanderer abgehalten wurde, war sehr gemütlich. Zum Anfang erzahlte einer der Führer von dem Fest der jüdischen Turnerschaft in Wien, zu dem Juden aus allen Teilen Europas erschienen waren Bei dieser Feier spielten die jüdischen Wandervereine eine ziemlich große Rolle. Auf dem Turnfest führten die Männer- und Frauenriegen Freiübungen vor. Diese Vorführungen bieten in der Masse ausgeführt einen schönen Anblick. Dann kam das Geräteturnen, bei dem sehr Gutes geleistet wurde. Besonderes Aufsehen erregten die Lemberger Wanderer mit ihren akrobatischen Künsten. Sie machten z. B. im Takt den Handstand auf der Schulter von anderen. Besonders fiel bei dem Turnfest die Kleidung der Turner und Turnerinnen auf. Die Süddeutschen und die Oesterreicher kleiden sich viel fescher als die Norddeutschen. Die Damen z B. tragen weiße Schuhe und Strümpfe neben der anderen weißen Kleidung. Andere fielen wieder durch ihre Farbenr pracht auf. Die Lemberger Wanderer sind nach dem Muster der Seoul-Boys gekleidet; bei ihnen herrscht nicht das Wandern vor, sondern es wird zumeist auf militärische Ausbildung Wert gelegt. — Unsere Phantasie wurde diemals aber sehr in Anspruch genommen: Wir ^isgas in -Gedsskcn mchi nur nach Wien, sondern viei weiter in ein uebiet, das in letzter Zeit viel erwähnt worden ist — nach Saloniki. Ein Herr, der dort gewesen ist, hatte die Freundlichkeit, uns über seine Eindrücke zu berichten. —- Saloniki ist sehr schön gelegen. Seine Bedeutung ist sehr groß, und es hat einen sehr großen Hafen. Seine Bedeutung aber verdankt Saloniki seinen jüdischen Einwohnern. — Es ist eigentlich falsch, wenn ich sage, seinen jüdischen Einwohnern. Das möchte so aufgefaßt werden, als ob die Juden dort nur in einem geringen Prozentsatze wären. Nein, es ist anders. Von den 110000 Einwohnern, die Saloniki schätzungsweise hat, sind 8/4 jüdisch. Die Juden sind dort in allen Handwerksklassen vertreten. In Berlin findet man kaum einen jüdischen Handwerker. Man sieht in den Bazars von Saloniki einen jüdischen Handwerker neben dem andern. Auch ist der Menschenschlag dort viel gesünder und kräftiger. Aber nicht nur in dieser Beziehung, in dem Handel, zeichnen sich die Judendort aus,sondern auch geistig bieten sie bedeutendes. Die jüdischen Schulen, die dort sind, leisten bedeutendes. Und auch die Wanderbewegung nimmt dort zu, — Wir hörten noch verschiedenes über Saloniki. Nach diesem lehrreichen Teil des Heimabends folgte der lustigere Wir spielten verschiedene Spiele, und in diesen kamen viele heitere Momente vor, Oeges 8 Uhr brachen wir auf und gingen bei dem schönsten Wetter, welches gewissermaßen die Fortsetzung des schönen Nachmittags war, nach Hause. Leo Liebeskind, Berlin. *) Ist geschehen.

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