Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 6 (9.1913)
- Date
- 1913-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Blau-Weiß-Blätter 5 men waren, und die vielleicht zum ersten Male in ihrem Leben jüdische Turner sahen. Sie mochten aber zugleich mit Wehmut an die Zustande in ihrer Heimat denken, wo die jüdische Jugend — von einer niederträchtigen, judenfeindlichen Gesetzgebung geknechtet, — es nicht wagen darf, sich in Turnvereinen oder Wanderbünden zusammenzuschließen. Wir Führer und Führerinnen der verschiedenen Wanderbünde trafen uns später und unterhielten uns über die Einrichtungen in den verschiedenen Wanderbünden. Am meisten freute uns aber, daß die jüdische Wanderbewegung immer mehr und mehr zunimmt. Auf einem jüdischen Jugendtage in Wien wurde beschlossen, daß in 42 Städten Oesterreichs Wanderbünde eingerichtet werden sollen. Hoffen wir, daß die jüdische Wander-» bewegung bald die jüdische Jugend der ganzen Welt umfassen wird. Ein Kriegsspiel bei Birkenwerder Wir marschierten durch Birkenwerder und gelangten in die umliegenden Wälder. Nahe dem Zühlsdorfer See (ich weiß augenblicklich den Namen des Sees nicht genau), machten wir die erste Rast. Hier beschlossen wir ein Kriegsspiel zu veranstalten. Ich war auf der roten Partei, die von Graetz geführt wurde. Die andere Abteilung führte Apt. Wir erhielten nun den Auftrag, die West- und Ostbrücke der Briese zu besetzen. Wir marschierten, obgleich wir weniger waren, als die andere Abteilung, lustig ab. Wir gingen zuerst am See auf einem ziemlich sumpfigen Wege dem Walde zu, und hofften dort einen besseren Weg zu finden, aber wie hatten wir uns getäuscht! Zuerst ging es noch, aber dann wurde es um so •schlimmer. So etwas, wie einen Weg gab's nicht! Um überhaupt vorwärts zu kommen, mußten wir die Bäumchen mit Gewalt auseinander biegen; aber nun kam erst das Schlimmste! Wir verloren uns, alles Rufen und Schreien nützte nichts, schließ-, lieh gelangten wir mühsam mit zerschlagenen Gesichtern an das Ende der Schonung, wo wir noch einen ungefähr 2 m hohen Zaun überklettern mußten, und hier trafen wir uns glücklich wieder mit den andern. Nach einer Rast von ca. 5 Minuten marschierten wir weiter. Vorher schickten wir noch einen Spion ab, der aber nicht w iederkam — weil er gefangen wurde. Wir gingen weiter, und kurz vor dem Ende des Porstes angelangt, fand ich die Hälfte des Geweihes eines Vierundzwanzigenders. Mit meinem Fund mußte ich dann unter dem Zaun durchklettern. Jetzt wanderten wir aut der Straße der Briese entgegen. Als wir nun an die Briese kamen, erfuhren wir, daß es garnicht die Briese sei. Wir fragten einige Leute, aber jeder sagte uns anderen Bescheid. Auf den Georg Todtmann, Berlin. Von Fahrten und Rasten