Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 5 (8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2425321-3181675-3181680--0062-3181845- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
6 Blan-Weiß-BIätfer tvaren wir wieder so vergnügt, daß wir auf dem Rückwege singend durch pas ungastliche Dorf zogen und über unsere Mißgeschicke herzlich lachten, kber einmal sollten wir doch noch zum Abkochen kommen — wenn es auch eider das einzige Mal auf der ganzen Wanderung war; denn immer sind wir sonst eingeregnet. Das war — auf dem Hofe von Frau Dr. Sandlers Villa. Nun,, wir bereiteten den Kurgästen Kudowas, die in Mengen herbeiströmten und uns mit Fragen und guten Ratschlägen zur Seite standen, einen vergnügten Nachmittag und uns einen herrlich schmeckenden Kakao und Gemüse. Dem Nationalfonds verdienten wir 3 Mark, die für unsere Lieder für uns gesammelt wurden. — Am nächsten Morgen regnete es. Dies war der Grund, ei» sehr erkältetes Mädel nach Hause zu schicken. Eine andere bildete ihre Begleitung. So zogen um 9 Uhr, nach herzlichem Dank bei Frau Dr. Sandler und wehmütigen Abschiedsgrüßen von den armen Kranken nur noch sechs* aber sehr vergnügte, kräftige Mädel über Tscherbenai, Pakobowitz nach Bukowina Unterwegs hatte die pilzekundige Toni eine ganze Menge zur Pilzsuppe gesammelt. Doch als die Zeit erfüllet war, goß es. Wir kamen bald an ei» Gasthaus und stillten dort unsern Hunger auf eine zwar kümmerliche, doch redliche Weise. Dann ging's den Spiegelberg hinauf. Er ist sehr steil, darum sind Stufen ins Gestein geschlagen. Schon hier sahen wir merkwürdige Felsbildungen, die aber später in den „Wilden Löchern*, durch welche wir mit einem Führer zogen, so ausgesprochene Formen annehmen, daß mar* ihrem Namen seine Zustimmung nicht versagen kann. Ihr, die Ihr schon einmal darin wart: denkt Ihr noch an den „Hafen", den „Adler", „Rübezahls Chaiselonge", den „Krinolinenweg", die „Wolfsschlucht, die „Löwentatze"? Wenn es noch nicht lange her ist, so besinnt Ihr Euch wohl auch auf den Führer, einen lustigen, alten Mann, der seine Erläuterungen in einem wunderbar singenden Tonfall abgibt — Jetzt kamen wir wieder auf das Plateau am Eingang, doch hatten wir keinerlei Aussicht. Darum beschlossen wir, erst am nickst ^Psge iiesssfesser -jsafttftigaa. Wir hatten nun noch lange Zeit bis zum Abend und zogen gemächlich auf einer schönen Landstraße dabin, bis wir gegen 6 Uhr in Karlsberg ankamen. Dort gingen wir in das Touristenheim und bekamen nach einigem Unterhandeln ein Zimmer, wie wirs brauchten, doch billiger als wir vorgeschlafen hatten! — Schade, ich habs mir geschworen, nichts über die Nächte zu erzählen. Diese Nacht wäre der Mühe wert gewesen. — Am Morgen ging's frühzeitig auf die Heuscheuer. Es war strahlender Sonnenschein und dabei doch frisch und kühl. In einer halben Stunde waren die 600 Stufen, die hinaufführen, hinaufgeklommen, und wir halten ein wundervolle Aussicht. Wie freuten wir uns, daß wir die Besteigung der Heuscheuer um einen Tag verschoben hatten! Um uns die inneren Felsen anzusehen, mangelte es uns an Zeit. Auf der anderen Seite des Berges stiegen wir herab. Es ist außerordentlich schön, vom Fuße desselben nach der Heuscheuer zurückzusehen* Zwischen riesenhaften Felsen das kleine Haus auf dem Gipfel Und dazwischen dichter Wald. — Wir machten eine kurze Rast auf einer Wiese und wanden uns Kränze. Dann wanderten wir mit Gesang durch Piassendorf. Eine Frau fragte: „Wohin?- — „Nach dem Stern!* — „Habt Ihr auch genug Wegzehrung mit?" — Noch wußten wir nicht, was dies bedeutete. Doch, als wir nach fünfstündiger Wanderung am Stern ankamen, war es uns klar! Denn wir hatte»