Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 5 (8.1913)
- Date
- 1913-08-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Blau-Weiß-Biätter 5 begann es zu regnen, und die Lauten schlüpften lautlos in ihre wasserdichte Bekleidung. Grade jetzt kam ein Gesandter des Herrn — Kurdirektors, welcher uns' aulforderte, ohne Eintrittsgeld zu zahlen, den Kurplatz zu besichtigen; was wir' •denn auch unter dem Beifall der Kurgäste taten. Danach regnete es aber^ immer noch, woraufhin wir beschlossen, zumal es schon ziemlich spät am Tage - war, bis Lewin mit der Bahn zu fahren. Die Fahrt von Reinerz nach Lewm Ist sehr schön. Die Bahnstrecke führt in mehreren großen Halbbogen ziemlich*' iioch über der Ebene, die rings von Hügel- und Bergketten umgeben ist, dahin. Die kleinen Dörfer und schönen Felder kann man daher von allen Seiten betrachten. Ab und zu kam jetzt die Sonne hervor. Doch als wir in Lewis ausstiegen, regnete es wieder. Wir aber waren ausgeruht, und wohlgemut zogen wir unsere Straße nach Kudowa. Als wir es vor uns liegen sahen; spannte sich über uns ein herrlicher Regenbogen. Schönheit- und Glückverheißendes Zeichen! — Frau Dr. Sandlers Villa, in der wir übernachten sollten,' liegt genau am anderen Ende von K., als da, wo wir nun standen. Aber ate' wir nach halbstündigem Marsche — etwas müde waren wir nämlich — döft ankamen, sangen wir mit der wahren Begeisterung: „Wohlan, laßt das Sinnen und Sorgen!* Einstweilen wurden wir nur von den Kindern bewillkommnet! und in das Zimmer, in dem wir schlafen sollten, geführt. Hei, wie freute uns; der Anblick der Matratzen, unserer wohlverdienten Ruhestätte! Doch bevör^ <üeselbe aufgesucht wurde, bekamen wir noch ein wunderbar mundendes Abendbrot aufgetischt. Doch versäumten wir wahrlich nicht darüber, dem Sonnenuntergang zuzuschauen und uns an den alimählich heraufkommenden Sternen zu erfreuen. — Und nun kam die Nacht--! Doch über die Nächtie zu schreiben ist unmöglich, es sei denn, wir wollten einen speziellen Rastbericht darüber veröffentlichen. Denn sie waren an Tatsachen so reich wie die Tage. —* Und dann kam der nächste Morgen, und wir wollten „wandern so weit", und wir" hatten einen so gut ausgedachten Plan--und wir stießen ihn so gern um, als Frau Dr. Sandler uns so dringend zuredete, doch «inen T«g läsge? bleibenI Also wurden die Eltern telefonisch benachrichtigt, und wir blieben! —*f Doch ganz müßig wollten wir nicht sein, und so zogen wir gen Tscherbenai. Wir hatten große Einkäufe zum Abkochen gemacht. Hunger hatten wir aucrk Alsbald fanden wir einen Bach, eine Wiese und ein Haus, dessen freundliche^ Besitzerin uns erlaubte, hier Feuer zu machen. Dieses besorgten Toni Spitz und "' Trude Lichtenstein, es gelang ihnen herrlich. Ein Topf mit Milch und einer mit Wasser standen schon darauf. Alle waren beschäftigt, Mohrrüben und Blumenkohl zu putzen. Es war ein Bild friedlichster Arbeit Doch siehe: Herankommt*-- gleich einer Furie, ein Bauer. Er packt einen Haufen Erde und schleudert sie unter wüstem Geschimpfe auf das Feuer, weiches so sein junges, heißes Leben i lassen mußte! Das ist das Los des Schönen auf der Erde! Der Fremdenhaß der- Böhmen führte denn auch dazu, daß wir, nachdem wir noch an zwei Steile« weggeschickt wurden, uns mit einigen in dem Rucksack befindlichen Eßwaren begnügen mußten. Doch stand unser Humor glücklicherweise auf so festen Beinen, daß ihn selbst diese Geschehnisse, die durch den Hunger und die große- Hitze erst ihre wahre Tragik erhielten, nicht umzustürzen vermochten. Nachdem wir endlich auf einer grünen Waldwiese doch noch Ruhe fürunsere müden Olieder gefunden und ein wenig — etwa eine Stunde — geschlafen hatten