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Blau-Weiss-Blätter · 1913-08-01 · 5 (8.1913) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blau-Weiss-Blätter
Volume
1 (1913-1914)
Issue
5 (8.1913)
Date
1913-08-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Blau-Weiß-Blätter S 10. Wir haben einen festen Rahmen für unser Wollen, unsere Ideale in den Wanderpilichten. Wir dürfen aber nicht vergessen, daß unsre Bewegung jung ist. Allmählich nur kann aus dem Ringen der jungen Juden, die sich ihre Lebenskraft und -freude, ihre Lebensform und -tiefe erwandern wollen, ein festes Programm entstehen. Noch hat es lange damit Zeit. Legen wir uns nur auf nichts fest. Kämpfen wir aber ständig, kämpfen wir um unsere Jugend, daß sie einem neuen, frischeren 4ind gesunden Leben zugeführt werde. Joseph Marcus, Breslau. Unser Herzltag An einem Julisonntag frühmorgens haben wir in Wien unsere Wanderer statt auf einen frohen Ausflug zu einem Grab geführt. In Reih und Glied marschierten wir nach Döbling und auf dem dortigen Friedhofe defilierten Wir an einem Grabe, das nicht viel anders aussieht als andere Gräber. Unser Obmann sprach ein paar kurze Sätze, wir sangen unser junges National-;' lied Hatikwah und marschierten ab. Wir haben unsere Jungen und Mädels an Theodor Herzls <irab geführt. An Gräber geht man um zu weinen, zu trauern.. Wir aber marschierten frohgemut hinaus und Trauer lag uns fern. Wir jungen Juden von heute empfinden Herzls Todestag anders als die andern Juden, anders selbst als die älteren/; Nationaljuden. Herzl ist ^gestorben, das erscheint uns selbstverständlich und fast geringfügig (möge mich niemand mißverstehen) gegentrber, der ungeheuren Tatsache, daß er gelebt hat. Und wenn wir an sein Grab gehen, so gehen wir nicht hin, um seinen Tod zu beklagen, sondern um uns freudig dessen wieder bewußt zu sein, daß ein großer Jude zur rechten Zeit gelebt, der unserem Volke in Todesnot den Weg des Lebens wies. Wir freuen uns, daß wir Nachgeborne sind, Nachgeborne, die nicht mehr haltlos und .ziellos nach einem irgendetwas tappen, das ihrem Leben Richtung und Ziel geben könnte. Wir haben unser Leben bereits-in eine Richtung einstellen können, es zu einem Ziel orientieren können. Und daß wir es konnten, verdanken wir dem, der für uns kein Toter sein kann, weil wir ihn nie als lebenden Menschen emp^ funden haben. Er ist uns ein Heros, eine große Kraft, der£n Wirken wir fühlen, kein Sterblicher, dessen Tod man beweint. Die jüdische Jugend Palästinas mit ihrem gesunden Empfinden feiert in diesem Sinne den Todestag Herzls längst nicht mehr als Trauertag. Ein Feiertag sei er auch uns allen, ein Tag der Einkehr und der Vorschau, ein froher Volkstag. — 1 '

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