Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 4 (7.1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2425321-3181675-3181679--0044-3181812- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Blau-Weiß-Blätter 5 Von Fahrten und Rasten Bericht von der vielschönen und heiteren J u b i läums fahrt, wel che s i ch a m 22. J u n i anno 1913 zwischenSibyllenortu. Zedlitz zugetragen hat Trotzdem „der Regen in schweren Fluten floß nieder", scheuten sich 20 mutige Mädel nicht, um vier Uhr ihre warmen Betten zu verlassen und durch den kalten Regen dem Odertorbahnhof zuzueilen. Große Spannung malte sich auf den Gesichtern, als.5 0 Paar warme Würstchen anlangten, die ich, Hanne Roth, im Schweiße meines Angesichts und im Rucksack bis Sapratschine schleppte. — Nun stiegen wir in den Zug und konnten unsre so jäh unterbrochene Nachtruhe dort eine halbe Stunde nachholen. Als wir in Sibyllenort anlangten, sangen wir beim Marschieren, da der Himmel noch immer sehr bewölkt" war,-■ „O, du klarblauer Himmel! Wie schön bist du heut!" Während zweistündiger Wanderung erhörte der Himmel unser Flehn und wurde klarblau, sodaß wir auf einer saftigen Wiese lagern konnten, allwo wir das erste Frühstück zu uns nahmen. Lilli Kohn mußte allen Kränze winden, welche Aufgabe sie zu allgemeinster Befriedigung löste. Vera London erzählte uns ein altitalienisches Märchen, und Else Kober sang leise Lieder zur Laute. — Nach einer Stunde brachen wir auf und gingen stundenlang durch die Felder und Wälder mit jüdischer Muskelkraft. Als wii gegen 7*1 in Sapratschine anlangten, fühlten wir in der Magengegend ein schmerzliches Rühren. Wir kamen an einen großen Rasenplatz, in dessen Nähe sich eine durststillende Pumpe befand, und ich, Judith Lichtenstein, packte sogar Seife aus! Aus der tiefsten Tiefe von 20 Rucksäcken kamen nun: die 50 Paar Wiener, 8 Pfd. Kartoffel, Mostrich (0, Teller. Bestecks, Semmeln zum Vorschein! Das ganze Dorf war bald um uns versammelt und eines Kongodorfes; Vera London übernahm die Rolle einer Schleiertänzerin, wir alle sangen unter Getöse und Begeisterung das mit Recht so beliebte Lied „Urnpha, umpha!~, was den Eindruck, wir lebten eigentlich in Europa, nicht gerade verstärkte. Dann hielten wir unsere wohlverdiente Mittagsruh, die Dorfjugend bewachte unsern heü'gen Schlaf. Nach einiger Zeit machten wir uns auf nach Skarsine, nachdem wir den Leuten noch zum Schluß die Freude eines Liedes gespendet hatten. Dort trafen wir unsere Wanderbrüder, die mit dem Abkochen von Apfelscheiben und Eiern beschäftigt waren. Einer von ihnen oblag mit anerkennenswertem Eifer der Beschäftigung des Brot* Schneidens. Es war ein schöner, erhebender Anblick! — Dann führten vier Mädel ein Theaterstück mit großem Erfolge auf. drei andere ließen eine sehr schöne Hobelbank mit Lautehbegleüung „staunten und schauten *! Wir boten ihnen das Schauspiel