Blau-Weiss-Blätter
- Journal
- Blau-Weiss-Blätter
- Volume
- 1 (1913-1914)
- Issue
- 4 (7.1913)
- Date
- 1913-07-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 wächst, wovon wir leben, sieht von Woche zu Woche die Veränderungen in der Natur vor sich. Er sieht die Wesen, die die Natur bevölkern und überall findet er Merkwürdiges. Der Wanderer bekommt so allmählich einen scharfen, offenen Blick, mit dem er mehr und weiter sieht, als alle anderen. Zur Schärfe des Blickes gesellt sich beim Wanderer auch die Geistesgegenwart. Wenn es darauf ankommt, ist er fähig, alle seine Sinne bis zum äußersten anzuspannen. Seine Kaltblütigkeit, sein Mut, seine körperliche Gewandtheit geben ihm ohnedies einen Teil der Fähigkeiten, die ihn instandsetzen,, jede Gefahr zu überwinden, jeden plötzlichen Angriff abzuwehren* den rechten Entschluß in einem kurzen Augenblick zu fassen und auch ebenso schnell zu handeln. Wer das erlernen will» der mache nur die Geländeübungen mit und beteilige sich an allen körperlichen Uebungen, vor allem aber an allen Wanderungen. 6. Der Wandrer weiß, daß er Kraft und ruhigen Blick braucht. Deshalb ist er ein Feind alles Hohlen, allen Scheins, ein Feind des blasierten Vornehmgetues, des vielwisserischen und altklugen Wesens, ein Feind jeder „großen Schnauze", hinter der nichts steckt, ein Feind schließlich allen falschen und unnatürlichen Genusses. Daher ist der Wanderer auch Alkohol- und N i k o t i n g e g n e r. Der Wanderer ist ja überhaupt ein Reformer — wie das Wandern selbst. Wieviel tausend Gründe wissen nicht die klugen Menschlein gegen jede Reform zu sagen. Und man höre sich das Gewinsel gegen das frohe Wandern an: Schön ist es ja, aber . . . . O, wenn die Unglücklichen wüßten, wieviel Gesundheit in diesen Märschen liegt. Das rationelle Wandern ist nämlich ohne Gefahren. (Leider — mochte ich fasl sagen, wenn ich nicht so vernünftig wäre.) Weil aber der Wanderer seine Lunge mit dem letzten Luitbläschen für die Wanderung braucht und die gute frische Luft nicht verderben will, darum raucht er nicht. Weil er den Schaden des Alkohols für seinen Körper kennt, darum trinkt er nicht einen Tropfen von diesem Zeug, das soviel Unglück über die Völker gebracht hat. Um sich an diese Enthaltsamkeit zu gewöhnen, die ja unsern gut erzogenen Uungens nicht fremd ist, führt er diese Prinzipien auf der ganzen Wanderung, auch bei der Rast beim Bauern, erst recht "beim Lagern, aber auch möglichst zu Hause durch. So trainiert er sich für die vernünftige Art durchs Leben zu wandern. Der Wanderer braucht keine Betäubungsmittel, denn er kann lustig und fröhlich, vor Wonne trunken sein — auch ohne Wein. (Fortsetzung folgt.) Joseph Marcus, Breslau.